Her kes ber bi rîya xwe bî - Jeder soll seinen Weg gehen

Montag, 22. August 2016

Der Genozid an den Armeniern und der Genozid an den Jeziden sind Zwillings-Tragödien. Die Schicksale beider Völker sind miteinander verbunden und ihre Geschichte wird von Millionen von Opfern gesäumt

@depositphotos

Prof. Dr. Martik Gasparyan, Vice-president International Academy of Spiritual Unity of Peoples of the World 

Prof. Dr. Alexander Sosnowski, Chefredakteur WORLD ECONOMY S.L.

Der aus der Türkei stammende Aktivist Nadzhat Čelki, der zur Zeit in Deutschland lebt, meinte, dass zur Verhinderung eines weiteren Genozids an den Jeziden im Norden Iraks eine Jezidische Autonomie etabliert werden muss.

Aus der jezidischen Geschichte

Laut einer uralten Legende, soll der glorreiche Anführer des Volkes Adabi seinen gesamtem Stamm vom Territorium des antiken Nubien aus über das Rote Meer nach Arawien gebracht haben, in das Land Dilmun. Dort gründete er die Stadt Sham. Nach einer anderen Theorie, beteiligte sich Sultan Jezid an einer großen Schlacht gegen ein unbekanntes Volk um die Vorrechte an dem Neuen Land, möglicherweise handelte es sich dabei um Sumer. Vielleicht fand der Kampf mit den subaräischen Stämmen statt, die danach zum Norden des Zwischenflußlandes abgedrängt wurden. In dieser Schlacht war Jezid vom Blut seiner Gegner bedeckt, erlitt jedoch selbst keine Verletzungen. Nach der Schlacht war er aber komplett rot, wofür er auch seinen Spitznamen bekam - der Rote Jezid.

Die jezidische Religion ist dem Glauben der anderen synkretischen kurdischen Religionen - Aleviten und Ali-Ilachen - recht ähnlich und stützt sich hauptsächlich auf die mündliche Überlieferung.

Das Hauptheiligtum der Jeziden ist der Tempel beim Mausoleum des Scheichs Adi in Lalisch, etwa 40 Kilometer nördlich von Mosul (Irak).

Jeziden und Armenier

Die jezidische Gemeinde im heutigen Armenien - besteht größtenteils aus Nachfahren der Einwanderer aus dem Osmanischen Reich. Sie ist die zweitgrößte der Welt, nach der letzten Volkszählung, leben dort etwa 80 Tausend Menschen. 

Während des Ersten Weltkriegs kämpften sie an der Seite der Armenier, stellten Befehlshaber, die zusammen mit den Armeniern an der Befreiungsbewegung teil nahmen. Einer von ihnen war Dzhangir-aga. In Erewan, der armenischen Hauptstadt, gibt es ihm zu Ehren ein Denkmal. 

Seit den 1990er Jahren wird in Armenien das Schrifttum dieses Volkes auf Basis des russischen Alphabets wieder hergestellt, es gibt Vorschulunterricht, die Zeitschrift „Dange Jezidia“ (Die Jezidische Stimme) wird heraus gegeben.

In letzter Zeit rückten auch Glaubensfragen ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Mit durch Privatpersonen gespendeten Mitteln wurden viele Glaubensstätten errichtet. Im Allgemeinen dienen im jezidischen Glauben „Odzhachen“ - die Heimfeuer - als Tempel der Geistigen Kaste, der Scheichs und der Festlichkeiten. Das ist das Tribut, das die Jeziden an die historisch überlieferte Tradition zollen. Die jezidischen Kurden werden seit jeher wegen ihrem Glauben verfolgt, mussten oft von Ort zu Ort ziehen und nahmen ihre Odzhachen mit. Odzhachen gibt es viele, es gibt aber nur ein Lalisch - das irakische Lalisch ist das einzige, das die Jeziden haben. Es ist für sie, wie das Mekka für die Moslems, jeder Jezide muss wenigstens einmal in seinem Leben hingefahren sein. Im Moment plant Armenien einen Tempel für die armenischen Jeziden zu bauen. An dem Bau des „Armenischen Lalisch“ werden sowohl private als auch staatliche Investoren beteiligt sein. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass erfolgreiche Geschäftsleute - armenische Jeziden - heran gezogen werden.