Ein Experte wurde gefragt: „Was ist eigentlich Wodka aus Goris, Armenien?“

Freitag, 23. März 2018

Das Rätsel der Höhlenstadt Goris - der uralte Maulbeerenwodka ''Karaundzh'' - eine Tinktur aus der ''Königin der Beeren''

Als Ergebnis der „Wodka-Debatten" hat die Europäische Union beschlossen, dass es zukünftig in der EU erlaubt sein wird Wodka "aus praktisch allem" zu machen. Oder, wie die bekannte Regel besagt: "Trinke und erlaube auch den anderen das Trinken."

Wie bestimmten Kreisen von Experten und Spezialisten im Weinbau bekannt ist, gehört der Maulbeerenwodka aus Goris, der „Karaundzh“ - zu den besten der Welt und kann mit jeder Marke der Alten Welt mithalten.

Prof. Dr. Martik Gasparyan, Präsident der Armenischen Akademie der Naturwissenschaften und Vize-Präsident der Akademie der Naturwissenschaften Russland 

Im Jahr 2016 wurde bei der Präsentation der Staatlichen Universität Moskau über die „Große Seidenstraße und die armenisch-chinesischen Beziehungen“, die bekannte Tinktur aus der „Königlichen Beere“ der Fachwelt vorgestellt. Der Professor der Abteilung für Organische Chemie, Mitglied des Präsidiums der Russischen Akademie der Naturwissenschaften Valery Petrosyan, erinnerte daran, dass Dmytry Mendelejew den Standard des russischen Wodkas auf 40% festlegte. Während im armenischen Hochland schon seit den Zeiten der Großen Seidenstraße, aus Früchten der aus China importierten „Königin der Beeren“, der Karaundzh-Wodka mit 65-70 % gebraut wurde, was zweifellos ein Maß für die höchste Qualität darstellt.

Karaundzh, der Maulbeerenwodka, seltener Maulbeerschnaps (Armenisch թթի օղի)  genannt - ist ein starkes alkoholisches Getränk, traditionell aus dem Zangezur-Gebiet. 

Es ist ein Produkt der Destillation von fermentiertem Saft von Maulbeerfrüchten. Der Alkoholgehalt beträgt 40 bis 80%. Einige Sorten des Getränks werden für mehrere Jahre einer Faß-Alterung unterzogen.

Der Karaundzh ist ein Traditionsgetränk für einen großen Teil der Zangezur-Region. Historisch gesehen, war die Destillatproduktion aus Maulbeeren in den Siedlungen Shinuayr, Hot, Galidzor, Vorotan, Tatew Hartashen, Khndzoresk, Karahunj, Goris, Bartsravan am meisten verbreitet. Hier wird eine signifikante Anzahl von Haussorten des Maulbeerenwodkas produziert. Eine Haussorte des Karaundzh besitzt in der Regel einen charakteristischen gelblichen Farbton. Die Früchte der schwarzen und weißen Maulbeere werden gleichermaßen für die Herstellung des Wodkas verwendet.

Die Geschichte der Herstellung des Karaundzh wird mindestens in Jahrhunderten gemessen. Eine gewisse Abnahme des Produktionsvolumens wurde im 19. Jahrhundert verzeichnet, nachdem auf dem betreffenden Gebiet des historischen Armenien - der Zangezur-Region, in der neu geschaffenen Provinz des Elisabethopolnischen Gubernats, welches sich dem Russischen Reich anschloss - der russische Wodka breiten Einzug erhalten hat. Dennoch blieb in Goris das traditionell starke Getränk aus Maulbeeren sehr verbreitet. Es ist bemerkenswert, dass die Einwohner von Goris ihm oft heilende Eigenschaften zuschreiben. 

Erwähnungen der hohen Popularität des Maulbeerenwodkas sind in vielen dokumentarischen und journalistischen Quellen zu finden und beziehen sich insbesondere auf die Mitte des 19. Jahrhunderts. So berichtet der "Kaukasische Kalender“ von 1854, der vom Büro des kaukasischen Gouverneurs veröffentlicht wurde, über die Produktion und den Konsum dieses Getränks im Gubernat:

„Aus Traubentrester und weißen Maulbeeren wird guter Wodka destilliert und das ist fast die nützlichste Verwendung dieser Frucht. Vor der Verbreitung des russischen Wodkas in der Provinz war diese Industrie Gegenstand beträchtlichen Handels... Der Maulbeerenwodka wird zu einem Preis von 2 Rubel bis zu 2 Rubel und 50 Kopeken für einen Eimer verkauft und Fruchtwodka für bis zu 3 Rubel. Die einheimischen Armenier sind dieser Art von Wirtschaft sehr zugetan und gehören auch selbst zu geneigten Konsumenten, sogar die Frauen.“ Der "Kaukasische Kalender" von 1854

Auch in Kunstwerken und Memoiren, wo die traditionelle Lebensweise armenischer und aserbaidschanischer Völker beschreiben wird, taucht Karaundzh auf. Während der Sowjetzeit wurde die Herstellung des Maulbeerenwodkas auch über den historischen Bereich seiner Verbreitung hinaus bekannt.

Technologie der Produktion des Goris-Karaundzh

Der Rohstoff für die Herstellung des Maulbeerenwodkas sind die Früchte der Maulbeere. Der Saft wird aus den Beeren herausgepresst und mehrere Tage in offenen Behältern, ohne Zugabe von Hefe oder Zucker, vergoren. Am Ende bleibt eine klare Flüssigkeit mit einem herben Geschmack und einem milden Maulbeeraroma. Traditionell werden für den Maulbeerenwodka Holzfässer aus dem gleichen Maulbeerbaum verwendet, deren innere Oberfläche zuvor gebrannt wurde. Die Reifung beträgt in der Regel ein bis fünf Jahre. Nach seiner Fertigstellung wird der Wodka vor dem Abfüllen in der Regel mit Wasser verdünnt. Gereifte Sorten besitzen eine eher gesättigte Farbe - von goldgelb bis dunkelbraun, sowie einen deutlich komplexeren und vollmundigeren Geschmack mit holzigen und Kräuternoten und einem stark ausgeprägten, herben Aroma.

Der Goris-Wodka „Karaundzh“ gehört zu der armenischen Tradition, die den Menschen dabei helfen kann, die bunten Farben der Region zu erspüren, die Liebe zu der sie umgebenden Welt, den schaffenden Menschen, die hier leben, das Verlangen nach dem Ewigen, dem Schönen und Erhabenen und die Nähe zu den Traditionen, Werten und Spiritualität.

Bilder: @depositphotos @Gasparyan

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