Dr. Martik Gasparyan: „Aktuelle Fragen zur wirtschaftlichen Wertstellung des Kulturerbes im Armenischen Hochland“

Donnerstag, 18. Juni 2015

Wirtschaftliche Wertstellung des Kulturerbes, der durch den Kulturozid verursachte Schaden und die Folgen des Genozids.

Kloster. Kulturerbe im Armenischen Hochland

Die Wurzeln des Armenischen Hochlands, Armeniens und der Armenier finden sich noch in biblischen Texten. Im Alten Testament steht, dass der Geburtsort des Menschen - das Paradies - sich im Osten befindet, angesiedelt im Ursprung der vier Flüsse: Pischon, Gihon, Tigris und Eufrat. Aber genau dort liegt das Armenische Hochland. 

Nach der biblischen Mythologie, teilte ein Urenkel von Noah (Togarmak (Torkom auf Armenisch), der Enkel von Japhet, dieser wiederum Sohn von Noah) seine Besitztümer unter seinen Söhnen auf. Einer von Ihnen, Hayk, ein babylonischer Stammesführer, der am Bau des Babylonischen Turms beteiligt war, der erste aus der Reihe der armenischen Könige, erhielt Armenien. 

Die Geschichte des armenischen Volkes entwickelte sich über Jahrtausende entsprechend der natürlichen Statuten des menschlichen Seins. Die Nation erschuf, führte Kriege (mal mehr, mal weniger erfolgreich), bestellte ihr Land. Alles „wie bei den anderen“. Das Gebiet des armenischen Staates wurde zu verschiedenen Zeitpunkten der Weltgeschichte mal kleiner, mal größer, der innere und äußere Verwaltungsbereich änderten sich. Nur das Lebensareal des armenischen Volkes änderte sich nicht - es war das Armenische Hochland.

Da sich die meisten Objekte des armenischen Kulturerbes auf dem Gebiet des historischen Armeniens (Westarmenien) befinden und kurz vor ihrer kompletten Zerstörung und Enteignung stehen, müssen noch heute aktive Maßnahmen getroffen werden, um sie für zukünftige Generationen zu bewahren.

Die meisten heutigen Tendenzen bei der Erhaltung des Kulturerbes sind die Privatisierung, Entwicklung des Kulturturismus, der Ausverkauf der „Aura“ des kulturellen und geschichtlichen Erbes; ebenso die aktive Beteiligung der Gesellschaft an deren Erhalt.

Die Beurteilung des Wertes von historischen Objekten, Objekten des Kulturerbes, hat heute leider keine theoretische wirtschaftliche Grundlage. In diesem Bereich der Werteinschätzung fehlt eine einheitliche Methodik der Herangehensweise. Die Werteinschätzung beim Kulturerbe - der geographisch festgelegten historischen und kulturellen Monumente - bleibt bis jetzt eine ungelöste Aufgabe in der Beurteilungstheorie, sowohl bei einzelnen Subjekten des Internationalen Rechts, als auch überall auf der Welt.