Der St. Georgs-Orden - Ein europäischer Orden des Hauses Habsburg-Lothringen

Sonntag, 3. Juni 2018

Alexander Sosnowski, Chefredakteur von World Economy sprach mit dem Prokurator des Ordens, Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele, über Selbstverständnis und Schwerpunkte des St. Georgs-Ordens, wie auch seinen Beitrag zur Wiederherstellung der europäischen Sicherheit.

Prof. Dr. Alexander Sosnowski: Der St. Georgs-Orden versteht sich als politischer Orden, was bedeutet das?

Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele:

Ja, wir sind ein politischer Orden, aber nicht im Sinne von parteipolitisch, sondern wertepolitisch, wenn Sie so wollen. Tagespolitik ist nicht unsere Aufgabe, außer es werden genau diese angesprochenen Werte attackiert. Wir bauen auf das christliche mitteleuropäische Erbe auf, das untrennbar mit dem Hause Habsburg verbunden ist, und versuchen eine Brücke zu schlagen - von den bewährten, tradierten Werten, die Österreich, Mitteleuropa und auch Europa geprägt haben und uns nach wie vor prägen, in die Gegenwart und die Zukunft. Unsere Ordensritter kommen aus unterschiedlichen Ländern und Lagern und tragen ebendiese Werte in Gesellschaft und Politik hinaus. Was den St. Georgs-Orden als Organisation betrifft, lege ich größten Wert darauf, dass er zu allen politischen Parteien strikte Äquidistanz hält.

(v.l.n.r. SKKH Georg von Habsburg, stv. Großmeister, SKKH Karl von Habsburg, Großmeister, und Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele, Prokurator des St. Georgs-Orden)

Prof. Dr. Alexander Sosnowski: Der Orden ist durchaus elitär, ihm gehören Menschen an, die etwas in Europa und im europäischen Leben bewegt haben. Wie soll es weiter gehen? Soll der Orden in Zukunft breiter aufgestellt werden oder soll der Kreis weiterhin eng bleiben?

Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele:

Das ist im Prinzip ganz einfach zu beantworten. Ich glaube, je größer eine Organisation wird, die sich elitär nennt, desto strenger müssen die Selektionskriterien werden. Wir sind weder ein Autofahrerclub, der mit einem anderen konkurriert und sich über die Mitgliederzahl definiert, noch sind wir eine Partei, die abfeiert, dass sie ein paar Prozent Mitglieder mehr in ihren Reihen hat. Ich habe lieber zehn Ritter mehr, von denen die Ordensregierung überzeugt ist, die etwas zur Gemeinschaft, zu unseren Werten und Zielen beitragen, als hundert, die den Begriff „Orden“ missverstehen: Unser Orden ist eine Gemeinschaft, was wir tragen, sind Insignien. Das, was man gemeinhin als Orden versteht, beispielsweise der Verdienstorden, ist hingegen eine Dekoration. Unsere Insignien stehen für die Zusammengehörigkeit, das Bekenntnis zu gemeinsamen Werten und Traditionen, aber auch zu bestimmten Zielen in der Zukunft. Daher, je größer der St. Georgs-Orden wird - und wir befinden uns derzeit in einem beachtlichen Wachstum, was manchmal zu eifersüchtigen Betrachtungen von der ein oder anderen Organisation führt - desto mehr werde ich als Prokurator darauf achten, dass unsere Selektionskriterien immer wieder präzisiert und nachgeschärft werden. Dass wir immer mehr darauf achten, Quantität keinesfalls zulasten der Qualität gehen zu lassen. 

Prof. Dr. Alexander Sosnowski: Woher kommen die Ritter des Ordens? 

Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele:

Aus ganz Europa. Wir sind natürlich in Österreich und Ungarn stark vertreten, es gibt zahlreiche Komtureien in Mitteleuropa, wir haben beispielsweise auch Komtureien in Deutschland und Großbritannien. In den Niederlanden formiert sich gerade eine Delegation und es gibt Bemühungen unseren Orden in Katalonien zu etablieren. Der St. Georgs-Orden nennt sich also auch aus dieser Perspektive zurecht „ein europäischer Orden des Hauses Habsburg-Lothringen“.  

Prof. Dr. Alexander Sosnowski: Welche Bedeutung hat Mitteleuropa für den St. Georgs-Orden?

Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele:

Eine sehr große. Aber ich glaube, dass sich das moderne Mitteleuropa erst wieder seiner Bedeutung, seiner wachsenden Bedeutung, bewusst werden muss. Was wir über die letzten Jahrzehnte erfahren haben, sind einerseits die Grenzen des Nationalstaats, andererseits, dass größere Gebilde wie die Europäische Union nicht alles besser können und sich daher auch nicht um alles kümmern sollten. Deshalb ist die richtige Umsetzung des Subsidiaritätsprinzips entscheidend für die Zukunft Europas – und Mitteleuropas. Das ist einer von vielen Punkten für die sich der St. Georgs-Orden einsetzt und weshalb unsere Komtureien in verschiedenen Ländern und Regionen so wichtig sind.  

Prof. Dr. Alexander Sosnowski: Es fand gerade die 1. Mitteleuropäische Sicherheitskonferenz statt. Wie kann uns diese mitteleuropäische Initiative voranbringen und welche Rolle kann der St. Georgs-Orden dabei spielen?

Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele:

Grundsätzlich hängt die Zukunft Europas in vielerlei Hinsicht davon ab, wie sich Mitteleuropa findet. Was ich damit meine? Mitteleuropa kann ein De-Stabilitätsfaktor sein, nämlich dann, wenn untereinander nicht kommuniziert und nicht kooperiert wird. Und es kann ein Stabilitätsanker sein, wenn man miteinander spricht, miteinander denkt und sich aufeinander abstimmt. Das ist ein Aspekt, der wichtig ist, besonders, aber beileibe nicht nur auf Sicherheits- und Migrationspolitik bezogen. 

 (Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele, Prokurator des St. Georgs-Orden Bild: Christian Kahlfuss)

Es gibt noch einen Aspekt, der bei der Konferenz angedeutet wurde, nämlich, dass Europa immer wieder von bestimmten Staaten dominiert wurde, was nur selten gut für unseren Kontinent war. Ich glaube, für die Zukunft der Europäischen Union und, was mir noch fast wichtiger erscheint, für die Zukunft der europäischen Idee, für die europäischen Werte, ist ein Gegengewicht zu allen „Supermächten“ notwendig. Und ich sehe Mitteleuropa als solches Gegengewicht zu sämtlichen Vormachtsgelüsten, die sich innerhalb der Europäischen Union immer wieder zeigen. Wie gesagt, die Zukunft von ganz Europa wird sehr stark von der Zukunft Mitteleuropas abhängen. Das bedeutet, wenn Mitteleuropa es schafft die Individualität der einzelnen Charaktere zu behalten, aber trotzdem gemeinsam aufzutreten, dann wird es zumindest zu einem Wirtschaftsmotor. Wahrscheinlich wohl auch zu einem Wertemotor für die Europäische Union - und das muss das Ziel sein. 

Prof. Dr. Alexander Sosnowski: Wenn wir die drei führenden Mächte - Deutschland, Frankreich, Großbritannien - ausklammern, könnte Österreich eine führende Rolle übernehmen in diesem mitteleuropäischen Verbund und sich gleichzeitig von dem Duktus der anderen emanzipieren? 

Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele:

Ich würde es etwas anders sehen. Gerade diese führenden Nationen, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die sich ja alle drei jeweils in nicht gerade unproblematischem Zustand befinden, sind - bei einer vernünftigen politischen Führung und einer verantwortungsbewussten Politik in den anderen Ländern - genau jener Druck, unter dem Europa zusammen wächst, weil es zusammen wachsen muss. Und hier kommt wieder Mitteleuropa ins Spiel, das mit einem stärkeren Schulterschluss in der jetzigen Situation sehr viel erreichen könnte. Sowohl um etwas zu bewegen, als auch um sich zu einem gewissen Grad selbst zu schützen. Ich meine damit nicht, dass die EU uns schadet, ganz im Gegenteil, ich bin überzeugter Europäer und glaube es gibt zur Zeit nichts besseres. Aber grundsätzlich ist dieser Druck - der aus dem Faktum resultiert, dass in der EU entgegen allen anderen Behauptungen kein politisches Gleichgewicht herrscht und dem Wissen, dass die Europäische Union Stärken hat, die man forcieren und Schwächen, denen man entschieden entgegenwirken muss - genau die Gemengelage, aus der ein starkes, selbstbewusstes Mitteleuropa entstehen kann. Und ja, Österreich kann und muss hierbei eine Drehscheibenfunktion haben, wie auch eine Impulsgeberrolle spielen. Und gerade auch die von Ihnen angesprochene Mitteleuropäische Sicherheitskonferenz zeigt uns, wie gut Österreich das kann. Unter den fast zweihundert Teilnehmern waren mehr als ein Dutzend Minister, Staatssekretäre und hochrangige politische Vertreter anwesend.Es waren mehr als ein Dutzend Minister, Staatssekretäre und hochrangige politische Vertreter anwesend, um Informationen und Erfahrungen auszutauschen und miteinander vorzudenken. Die 1. MESK (Anm.: Mitteleuropäische Sicherheitskonferenz) war ein starkes mitteleuropäisches Lebenszeichen und Wien war in diesem Fall einmal mehr die erwähnte Drehscheibe und Impulsgeber. 

Prof. Dr. Alexander Sosnowski: Sehr geehrter Herr Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele, wir danken Ihnen sehr für dieses Gespräch.

Bilder: @ Katharina Schiffl (v.l.n.r. SKKH Georg von Habsburg, stv. Großmeister, SKKH Karl von Habsburg, Großmeister, und Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele, Prokurator des St. Georgs-Orden), @Christian Kahlfuss@worldeconomy  

Die Meinung des Autors/Ansprechpartners kann von der Meinung der Redaktion abweichen. 

Grundgesetz Artikel 5 Absatz 1 und 3 (1) „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. 

Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Am 25. Mai 2018 tritt die neue EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft. World Economy S.L. aktualisiert in diesem Zuge seine Datenschutzbestimmungen. 

Gerne möchten wir Sie weiterhin mit unserem Newsletter an Ihre E-Mail-Adresse informieren. 

Sie haben jederzeit das Recht, der weiteren Nutzung Ihrer personenbezogenen Daten für die Zukunft zu widersprechen.