Der Minenkrieg gegen die OSZE in der Ukraine

Mittwoch, 30. Mai 2018

Vor einem Jahr explodierte ein Fahrzeug der OSZE-Friedensmission in der Ukraine. World Economy führt die Nachforschungen über diesen Fall fort und stellt heute neue Fakten vor.

Der Artikel stand bereits kurz vor seiner Veröffentlichung, als aus Kiew eine weitere schlimme Nachricht eintraf - der oppositionelle russische Journalist Arkadi Babtschenko wurde durch Schüsse in den Rücken getötet. In den letzten zwei Jahren lebte und arbeitete er in der Ukraine, nachdem er in Russland starker Kritik ausgesetzt war, weil es sich weigerte den Hinterbliebenen der Opfer der abgestürzten TU 154 (die sich auf ihrem Flug nach Syrien befand) sein Beileid auszusprechen. Der Journalist wird damit zum weiteren Opfer in einer Reihe von Journalistenmorden in Kiew. Der ukrainische Schriftsteller Olesj Busina wurde auf offenerer Straße erschossen. Auch der bekannte russische Publizist Pawel Scheremet, dessen Auto explodierte, gehörte zu den Opfern. Wir werden keine Vermutungen und Verdächtigungen anstellen, es obliegt der Ermittlung Klarheit zu schaffen. Allerdings kommen wir nicht umhin darauf aufmerksam zu machen, dass solche Ereignisse immer in Erwartung einer hohen internationalen Resonanz geschehen - in Form neuer Sanktionen gegen Russland, beispielsweise. Dabei reicht das hochmodische „highly likely“ schon aus, Beweise nicht nötig. In dem Fall, über den wir unten berichten, gibt es schon Beweise, dass es um einen Terroranschlag geht, bei dem Mitarbeiter der OSZE-Mission in der Ukraine mit voller Absicht als Opfer auserkoren wurden.

Jan Tscherny, World Economy

Chronologie. Am 23. April 2017 explodierte ein OSZE-Fahrzeug auf dem Donbas, vermutlich, nachdem es auf eine Mine aufgefahren war. Ein deutscher Staatsbürger war ebenfalls betroffen. In dem vorherigen Artikel () haben wir bereits darauf aufmerksam gemacht, dass unabhängige Experten der OSZE meinen, eine ukrainische Urheberschaft sei nicht auszuschließen und sie würden diese sogar für plausibler halten, als eine seitens der Rebellen.Betrachten wir nochmal die Fakten, die bei verschiedenen offen zugänglichen Ressourcen zu finden sind, darunter auch bei der OSZE selbst. 

Der Minenkrieg

Am 23. April2017 ereignete sich nahe der Ortschaft Pryshyb in der Oblast Luhansk ein tödlicher Zwischenfall, bei dem ein Rettungssanitäter der OSZE Beobachtermission in der Ukraine (Special Monitoring Mission to Ukraine (SMM)), getötet wurde. Daraufhin ordnete der Generalsekretär der OSZE eine unabhängige forensische Untersuchung durch die International Humanitarian Fact-Finding Mission IHFFC an. Zunächst äußerte sich der Deputy Chief Monitor der OSCE SMM Alexander Hug bei einer eigens dafür einberufenen Pressekonferenz zu dem tragischen Zwischenfall:

„In a press conference, (https://www.facebook.com/oscesmm/videos/806475146170859/ (Deputy Chief Monitor of the OSCE SMM Alexander Hug confirmed that one SMM paramedic died (Joseph Stone, male-U.S.) and two others were injured (female-Germany, male-Czech Republic). The injured have since been released from Luhansk Regional Hospital to government controlled territory for further examination.“

https://medium.com/dfrlab/first-osce-monitor-dies-in-ukrainian-conflict-544acc4cd523

Es ist wichtig anzumerken, dass der IHFFC-Bericht zu den internen OSZE-Papieren gehört und die IHFFC keine permanente Organisation ist. Im Fall des Zwischenfalls von Pryshyb arbeiteten internationale forensische Experten zusammen. Darunter auch Mitarbeiter des wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich. Geleitet wurde die Kommission durch den chilenischen Botschafter Alfredo Labbé Villa. Die Wahl eines Diplomaten von außerhalb der OSZE-Staaten ist auch sehr bemerkenswert. 

Ort des Geschehens

Einige Tage vor der Explosion bekam die Mission Informationen darüber, dass in der Region eine Dislozierung von einzelnen Panzern beider Seiten verzeichnet wurde und es ist anzunehmen, dass die OSZE-Mitarbeiter diesen Informationen nachgehen wollten. 

Pryshyb liegt in einem strategisch wichtigen Raum. Von der ukrainisch-russischen Staatsgrenze weg verläuft die Frontlinie entlang des Severskyi Donets Flusses bis nach Znamianka, dem Nachbardorf von Pryshyb. Dort wendet sie sich in offenem Gelände in südwestlicher Richtung bis westlich des Dorfes Smeloe/Smile. Zwischen diesen beiden Dörfern erhebt sich ein Hügel, von wo aus man freies Sichtfeld nach Westen hat, ins Gebiet der ukrainischen Regierungstruppen. Das war wohl der Grund, weshalb die Rebellen dort oben sporadisch Panzer stationiert hatten. Und die Patrouille der SMM fuhr wohl aus dem selben Grund auf diese Anhöhe. 

Wir nähern uns einem enorm wichtigen Detail dieses tragischen Zwischenfalls. 

Am Tag nach dem tödlichen Zwischenfall von Pryshyb, veröffentlichte Radio Free Europe auf seiner Internet-Homepage ein Video, das die verunglückte Patrouille wenige Sekunden vor der Explosion zeigt. Der Videoclip war während mehrerer Wochen unter https://www.rferl.org/a/ukraine-osce-car-explosion/28467800.html abrufbar, wurde inzwischen aber entfernt. Radio Free Europe bekam dieses Video nach eigenen Angaben von ukrainischer Seite zugespielt.

Es zeigt die Patrouille auf der Fahrt vom Hügel zwischen Pryshyb und Smeloe/Smile hinunter nach Pryshyb bis kurz vor der Explosion der Mine. Diese selbst ist nicht sichtbar, da sie sich links ausserhalb des Bildausschnitts der Kamera ereignete. Die Kamera wurde nach der Detonation nach links geschwenkt und neu gezoomt. Es war die Rauchwolke der Explosion sichtbar, nicht hingegen die Patrouillenfahrzeuge der SMM.
Man darf sich die wichtige Frage stellen, ob es wirklich ein Zufall war, dass die Patrouille so kurz vor der Explosion gefilmt wurde und, dass der Kameramann die Situation um die Explosion herum so präzise eingefangen hat, inklusive des Zooms an den wichtigen Stellen. Ohne voreilige Schlüsse ziehen zu wollen, muss die Frage erlaubt sein, ob Angehörige der ukrainischen Armee, die sich in unmittelbarer Nähe des Schauplatzes befanden, möglicherweise von der bevorstehenden Explosion wussten?

Die oben erwähnte Videoaufnahme erlaubt den Ort des Geschehens genau zu bestimmen. 

Es handelt sich um eine Zufahrtsstraße des Ortes Pryshyb, die von beiden Seiten durch Sträucher verdeckt wird. Für einen Panzer stellen sie kein ernsthaftes Hindernis dar, er kann die Sträucher einfach niederfahren, aber ein Zivilfahrzeug muss auf der Strasse bleiben und fährt dann unweigerlich auf die Panzermine auf, die im Hinterhalt platziert wurde. Mit anderen Worten, wer die Mine dort platziert hat, wollte keine Panzer aufhalten, sondern strebte an, dass ein Zivilfahrzeug auf der Mine explodieren wird. Die Minenleger wussten, dass dort neben Fahrzeugen der Aufständischen auch OSZE-Fahrzeuge unterwegs sind und haben sich deren Mitarbeiter also mit voller Absicht als potentielle Opfer ausgesucht.

Und die wichtigste Frage, wer hat die Mine dort platziert? 

Die Straße wo alles passierte, ist der beste Weg, um zu den Stellungen der Aufständischen zu gelangen. Es ist schon fast selbstverständlich, dass die Explosion eines Fahrzeugs der OSZE-Mission auf dieser Straße den ukrainischen Streitkräften sehr zupass kam.

Der Ort des Anschlags auf die Patrouille der SMM war offenbar sorgfältig ausgewählt worden. Er ist für ukrainische Sondereinheiten durchaus erreichbar, besonders wenn sie hierbei von sympathisierenden Bewohnern des Dorfes Hilfe bekamen.

Quellen:

https://ru.tsn.ua/ukrayina/v-kieve-ubit-zhurnalist-arkadiy-babchenko-hronika-sobytiy-1163052.html

https://www.facebook.com/oscesmm/videos/806475146170859/

https://medium.com/dfrlab/first-osce-monitor-dies-in-ukrainian-conflict-544acc4cd523

https://en.wikipedia.org/wiki/TM-62_series_of_mines

https://www.youtube.com/watch?

https://ru.wikipedia.org/wiki/

https://www.forecastinternational.com/archive/

https://www.forecastinternational.com/archive/disp_old_pdf.cfm?ARC_ID=1471

http://jcammo.com/mine-anti-tank-tm-62-m/

Bilder: @depositphotos @screenshots 

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