China und Russland: Partner und Konkurrenten

Mittwoch, 28. Februar 2018

Das Verhältnis zwischen China und Russland hat einen prägenden Einfluss auf die Weltpolitik. Neben gemeinsamen Interessen gibt es aber auch Trennendes in den Beziehungen. Wie nah sind sich Peking und Moskau?

Der chinesische Staatschef Xi Jinping und Wladimir Putin sind zwei politische Alphatiere. Sie haben die Macht in ihren Ländern fest in der Hand und auf der internationalen Bühne vertreten sie selbstbewusst, manchmal auch kompromisslos, ihre Interessen. Doch wann immer sich die beiden in den letzten Jahren trafen, bestimmte demonstrative Harmonie die Tagesordnung. 

Von Mathias von Hofen

Wirtschaftlich bietet vor allem das chinesische Projekt der „Neuen Seidenstraße“ eine Basis für eine verstärkte Zusammenarbeit Russlands und Chinas. Die „Neue Seidenstraße“ symbolisiert das Streben Chinas nach wirtschaftlicher Vormachtstellung auf dem eurasischen Kontinent. Sie soll, mit milliardenschweren Investitionen in den Ausbau von Straßen und Schienenwegen, den Handel zwischen China und Europa verstärken. Moskau hatte die chinesische Initiative von Anfang an unterstützt. Bereits vor einigen Jahren betonte Putin: „Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft birgt die Chance „chinesischen Wind“ in den Segeln unserer Wirtschaft einzufangen.“  In der russischen Öffentlichkeit spricht man von der „Wende nach Osten“. 

Chinesische Firmen konzentrieren sich bei ihren Investitionen in Russland besonders auf den Energie- und Rohstoffsektor sowie die Logistik. 

In anderen Sektoren der russischen Wirtschaft investieren die Chinesen bisher recht zögerlich. Bis 2016 gingen nur gut zwei Prozent der chinesischen Auslandsinvestitionen nach Russland. Eine der größten Investitionen tätigte der staatliche chinesische Ölkonzern Sinopec, der 2015 10% des russischen Ölverarbeiters Sibur für 1,3 Milliarden Euro kaufte. 

Stärker als die Investitionen wuchs bisher der russisch-chinesische Handel.  China hat vor einigen Jahren Deutschland als wichtigsten Handelspartner Russlands abgelöst. Auf dem Energiesektor treiben beide Länder ihre Kooperation immer weiter voran. Mit dem Bau von Pipelines nach China, versucht sich Russland vom europäischen Markt unabhängiger zu machen.  Lu Kang, der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, betonte Anfang 2017 die Nähe zwischen Peking und Moskau: „Die umfassende strategische Kooperationsbereitschaft zwischen beiden Seiten ist auf dem besten Stand der Geschichte“. 2017 wurde auch das bisher größte chinesische Bauvorhaben auf russischem Boden beschlossen. Die China Railway Group wird eine Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen den Großstädten Jekaterinburg und Tscheljabinsk im Ural mit einem Volumen von 2,5 Milliarden Euro bauen. Diese Strecke soll in die Bahnverbindung Berlin-Moskau-Peking integriert werden, der im Rahmen der „Neuen Seidenstraße“ wachsende Bedeutung zukommt.

Die Ukrainekrise hat die russische Annäherung an China auch im militärischen Bereich deutlich verstärkt. 

Zwar ist Russland schon seit den neunziger Jahren Chinas wichtigster Waffenlieferant. Aber bisher hatte es Moskau, aus Sicherheitsbedenken und Furcht vor Produktpiraterie, stets vermieden, Peking seine neuesten Waffensysteme zu liefern. Diese Zurückhaltung hat die russische Regierung seit 2014 fallen gelassen und zugleich umfangreiche Militärmanöver mit den Chinesen abgehalten. Diese fanden nicht nur in Zentralasien, sondern auch im chinesischen Meer statt. Damit hat Russland aber seine bisherige Politik der Neutralität im Streit zwischen China und Japan um Inseln im Südchinesischen Meer teilweise aufgegeben, was die Beziehungen Moskaus zu Tokio belastet hat.

Die Chinesen sehen ihre Beziehungen zu Russland im Kontext ihrer wachsenden Macht. Jia Qingguo, Leiter des Departments für internationale Beziehungen der Universität Peking: „China muss in der Weltpolitik eine größere Rolle als bisher spielen“. Dabei sei Russland „ein natürlicher Partner Chinas mit vielen gemeinsamen Interessen“. Qingguo sprach dies auf der Jahreskonferenz der Stiftung „Dialogue of Civilisatons“, deren Vorsitzender der Putin-Bekannte Wladimir Jakunin ist.        

China ist auf Russland angewiesen, wenn es die „Neue Seidenstraße“ zu einem Erfolgsmodell machen will. 

Zwar ist Russland nur eines von mehreren Transitländern, doch die Route durch Russland erscheint sicherer als beispielsweise die Landverbindungen durch Zentralasien oder Pakistan. Putin dagegen braucht China, um die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Westen weiter zu vermindern. Von einem russisch-chinesischen Block zu sprechen, wäre jedoch übertrieben. So betont Dmitri Trenin, Leiter des Moskauer Carnegie Zentrums, dass es sich weniger um ein enges Bündnis handelt, sondern eher um eine Entente: „Man unternimmt nichts gegeneinander, aber auch nicht alles gemeinsam.“ 

Gemeinsame Interessen haben Russland und China in Zentralasien, u. a. bei der Bekämpfung des Islamismus und dem Ziel, den Einfluss der USA und der EU zurückzudrängen. Zugleich konkurrieren beide Länder aber auch um Macht in der Region. Eine wichtige Rolle im russisch-chinesischen Dialog spielt die Schanghai-Organisation, in der China, Russland, Indien und vier zentralasiatische Staaten zusammengeschlossen sind. Sie hat neben einer wirtschaftlichen auch eine militärische Komponente. Daher könnte ihr in Zukunft die Aufgabe zukommen, die Handelswege der Seidenstraße durch Zentralasien zu sichern. Vielleicht schneller als gedacht: Es gab in der Region bereits islamistische Anschläge auf Chinesen.

Bilder: @depositphotos

Die Meinung des Autors/Ansprechpartners kann von der Meinung der Redaktion abweichen. 

Grundgesetz Artikel 5 Absatz 1 und 3 (1) „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“