Bundesregierung ruft Türkei und Armenien zu Aussöhnung auf

Freitag, 24. April 2015

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nimmt am 24.04.2015 im Deutschen Bundestag in Berlin an der Debatte zu den Massakern an den Armeniern 1915/16 teil. Foto: Stephanie Pilick/dpa

Berlin (dpa) - Zum 100. Jahrestag der Massaker an bis zu 1,5
Millionen Armeniern durch das Osmanische Reich hat die
Bundesregierung die Türkei und Armenien zur Versöhnung
aufgerufen. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am
Freitag, Deutschland wolle beide Seiten bei der Annäherung
unterstützen. Den Begriff Völkermord benutzte er - im Unterschied zu
Bundespräsident Joachim Gauck - nicht. Seibert sagte: «Die Worte des
Bundespräsidenten stehen wie immer für sich.»

Gauck hatte am Donnerstagabend ohne Umschweife von Völkermord
gesprochen. Dieser Einschätzung schloss sich am Freitag auch
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) an. Seibert sagte, die
Bundesregierung stehe hinter den «Gedanken und Formulierungen» der
geplanten Erklärung des Bundestags. Der Text sei mit den Fraktionen
abgestimmt worden. Nach Angaben des Auswärtigen Amts gibt es bislang
noch keine offiziellen Reaktionen aus der Türkei.

In der Erklärung des Bundestags heißt es über die Armenier: «Ihr
Schicksal steht beispielhaft für die Geschichte der
Massenvernichtungen, der ethnischen Säuberungen, der Vertreibungen,
ja der Völkermorde, von denen das 20. Jahrhundert auf so schreckliche
Weise gezeichnet ist.» Nach der ersten Beratung geht der Text nun an
die Ausschüsse. Er soll bis zum Sommer verabschiedet werden.