Bereitet sich die Ukraine auf einen Krieg vor?

Donnerstag, 3. Mai 2018

Nennt man alles beim Namen, dann bedeutet der Übergang von einer ATO (Anti-Terroristischen-Operation) zum einer ''de-Okkupation des Donbas'' de facto den Befehl eine militärische Operation im Osten der Ukraine zu starten.

Gerüchte nehmen nach und nach Gestalt an und, wenn vor einem Monat die Aussage einiger Experten, Kiew würde sich auf einen Krieg vorbereiten, als eine Extreme angesehen wurde, so ist heute die Wahrscheinlichkeit eines Vormarsches der ukrainischen Armee im Donbas die Realität.  

Von Jan Tscherny

Die Zentrale (operativer Hauptstab der Streitkräfte der Ukraine) wird alle Befugnisse über die taktische Führung der ukrainischen Streitkräfte, das Innenministerium, die National-Polizei, militärische Formationen, den Staatlichen Dienst für Regelung von Ausnahmesituationen, die Militär- und Zivilverwaltung in den Donezker und Lugansker Regionen übernehmen, berichtet die Ressource „Apostrophe“ (https://apostrophe.ua/article/society/accidents/2018-02-26/konets-ato-kak-teper-ukraina-budet-voevat-na-donbasse/17167)

„Für das Militär, bringt eine Änderung der Namen im Krieg kaum Veränderungen mit sich, aber die Zivilisten werden die ganze Zeit wie auf einem Pulverfass leben“, schreibt eine andere ukrainische Website (https://www.rusdialog.ru/news/143853_1525067117)

„…das korrupteste Land Europas"

Während ukrainische Strategen sich darauf vorbereiten, gegen ihr eigenes Volk zu kämpfen, versinkt das Land weiterhin in Korruption.

Die neu geschaffenen Antikorruptionsbehörden stoßen auf Widerstand und das vom Internationalen Währungsfonds geforderte Antikorruptionsgericht ist nicht existent. Das Reformtempo des Landes verlangsamt sich. Weder mit der Freihandelszone noch mit der Welthandelsorganisation ist der Gesetzesentwurf „Kauf ukrainisch, bezahle Ukrainer“ vereinbar. Die Vorlage passierte bereits die erste Lesung im Parlament. Bei öffentlichen Ausschreibungen würden selbst 40 Prozent teurere ukrainische Produkte ihrer ausländischen Konkurrenz vorgezogen werden.

Der osteuropäische Staat mit seinen 45 Millionen Einwohnern wurde unlängst vom „Spiegel Online“ als „das korrupteste Land Europas" bezeichnet. Im Osten des Landes herrscht weiterhin Krieg und mehr als 10.000 Menschen ließen bisher ihr Leben. Deutschland glaubt schon lange nicht mehr an einen Beitritt des von Krisen zerrütteten Staates in die EU. Das Thema stand beim letzten EU-Ostgipfel nicht mehr zur Debatte. Das Minsker Friedensabkommen wurde nicht umgesetzt. Kanzlerin Merkel und der ukrainische Präsident Poroschenko diskutieren derzeit über die mögliche Aufstellung einer UN-Friedensmission. 

Ist das der richtige Weg, um der Ukraine Frieden zu bringen und sie aus der Krise zu führen? 

Der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan äußert sich in einem Interview mit der „Welt“ über sein Heimatland folgendermaßen: „Wir haben 1991 unseren Staat bekommen, aber wir wussten nicht, wie weiter. Wir haben unser Land nicht gefühlt.“ Die Ukraine muss offensichtlich erst eine eigene Identität entwickeln. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Prozess nicht zu lange dauert. Das Land braucht Stabilität. Solange sich Korruption und Skandale quer durch alle Regierungsebenen ziehen, bleibt eine solide Identitätsentwicklung unwahrscheinlich.

Kriegspläne werden wahr

Aber kehren wir zu einem möglichen Krieg im Osten des Landes zurück, der nur dem Korruptionsregime in Kiew zugute kommt. Unter Bedingungen des Krieges, ist es am einfachsten die Staatskasse zu plündern und gleichzeitig seine Spuren zu verwischen. Auch, weil der Präsident und sein Gefolge sich absolut darin einig sind, dass der Krieg dringend notwendig ist. Es gibt ein bestimmtes Szenario solcher Aktionen, welches trotz seines anmutenden Surrealismus verwirklicht werden könnte.

In der ersten Phase werden die ukrainischen Streitkräfte damit beginnen, die Zeiten zwischen den Bombardierungen der abtrünnigen Republiken zu verkürzen und die Nervosität und Angst der Bevölkerung anheizen. Damit werden sie versuchen eine Unzufriedenheit mit den Regierungsorganen zu provozieren. Mehrere gut ausgebildete terroristische Gruppen werden in die Ostgebiete entsandt, deren Hauptaufgabe es sein wird Wasserversorgungsanlagen, Lebensmittelunternehmen, Kraftwerke zu sabotieren. 

In der zweiten Phase, wenn die Situation in den Republiken kurz vor einer humanitären Katastrophe steht, wird die ukrainische Armee großangelegte Offensivaktionen an den Flanken der Republiken starten und versuchen, die Grenzlinie zur Russischen Föderation zu minimieren. Wenn Moskau in diesem Zeitraum eine abwartende Haltung einnimmt, wird eine Offensive über die gesamte Kontaktlinie begonnen und parallel dazu eine breitangelegte Informationskampagne gestartet werden. Ihr Ziel wird es sein, der Weltgemeinschaft die Illusion einer humanitären Katastrophe zu vermitteln, für deren Eindämmung überall in den Donezker und Lugansker Republiken Friedenstruppen eingesetzt werden müssten. Zum Beispiel, kann eine ähnliche Aktion, wie die falsche Gasattacke in Syrien durchgeführt werden, der ein Bombenangriff der Koalition folgte.
Eine solche Situation im Südosten der Ukraine hätte wohl keine Chance auf einen friedlichen Ausgang, denn Moskau wird keinen schweren Bombenangriff auf die friedliche Zivilbevölkerung der Republiken dulden, was wohl zu einem echten, direkten Zusammenstoß mit der ukrainischen Armee führen würde. 

Im ungünstigsten Fall - kommt es auch zu einem Zusammenstoß zwischen Russland und der NATO, die von dem Kiewer Regime in diese Intrige mit hinein gezogen werden könnte.

Bilder: @depositphotos 

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