Zankapfel Arktis – der kalte Krieg im Norden

Montag, 17. Juli 2017

Der kalte Norden des Planeten erhitzt seit längerem die Gemüter. Eine neue Rohstoffkammer muß für die eigenen Interessen gesichert werden. Darüber gibt es Streit.

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Muskelspiele verschiedenster Art sollen Besitzansprüche deutlich machen. Wie die derzeitige Lage ist, soll hier kurz beleuchtet werden. Unter https://www.polarnews.ch/arktis/menschen-politik/985-finnland-wird-uebernimmt-leitung-des-arktisrats-von-den-usa schreibt Dr. Michael Wenger Näheres zu den Problemen der Arktisinteressenten.

Von Ulrich F. Gerhard

Finnland, so steht dort, habe seit dem Frühjahr 2017 den Vorsitz im Arktisrat. René Söderman, Chefberater für arktische Angelegenheiten im finnischen Außenministerium habe erklärt, daß die Politik Putins die arktische Zusammenarbeit hätte beeinflussen können, was jedoch nicht der Fall gewesen sei (!). Die USA und Russland hätten ihre Differenzen auf dieser Ebene zur Seite gelegt. Wörtlich sagte Söderman (zit. nach Wenger) „Wir glauben, dass die USA sehr pragmatisch gewesen waren und die Russen sehr kooperativ im Arktisrat.“ Daran können durchaus Zweifel bestehen, wie wir weiter unten aufzeigen. Doch zunächst einige Fakten.

Die Frage, wem außerhalb der in der UN-Übereinkunft enthaltenen 200-Meilen-Zone liegende Nordpol gehört, ist rechtlich nicht geklärt.

Hier http://www.n-tv.de/politik/Wem-gehoert-der-Nordpol-article14162111.html lesen wir, daß es bisher gibt es keine internationale Entscheidung über die Flächen gibt und die Ansprüche nicht geklärt sind. „Nach der Meeresrechtskonvention der Vereinten Nationen dürfen alle Staaten die Ressourcen des Meeres innerhalb von 200 Seemeilen vor ihren Küsten nutzen. Über diese Grenze hinaus können die Staaten zusätzliche Hoheitsrechte beantragen. Dafür müssen sie jedoch Beweise vorlegen.“

Dänemark, Kanada, Russland, USA und Norwegen sind diejenigen Länder, die ihre Interessen in der Arktis wahrnehmen. Zu welchem Ergebnis das kommen wird, ist bisher offen. Auf dem Meeresgrund verankerte Flaggen, Patrouillenschiffe und der Aufbau von Polarstreitkräften sind sicher kein Weg, sich zu einigen, sondern lediglich symbolhafte Stärkedemonstrationen. Es bleibt zu hoffen, daß hier der Geist der friedlichen Nutzung der beteiligten Nationen über den Ungeist einer widerrechtlichen Aneignung unter der Überschrift „Privatisierung der Welt“ siegen wird.

Umso überraschender, was man hier http://www.cbsnews.com/news/whats-at-stake-with-russias-arctic-military-buildup/ findet. Man kann nur zu der Auffassung kommen, daß, wer Putin unterstellt, er würde die Nordmeer-Route und die Arktis destabilisieren, doch schon genug über sein eigenes Denken gesagt hat. Das sind keine friedlichen Töne. Es muß den Amerikanern einleuchten, daß eben nicht alles auf dieser Welt unter ihrer Kontrolle oder Oberhoheit stehen kann und darf. Nationenvielfalt kennt Grenzen und muß Grenzen verteidigen.

Im letzten Absatz dieses Aufsatzes dann der lächerliche Vergleich mit dem Wilden Westen. Der Autor scheint in gespielter Unschuld völlig auszublenden, daß die Amerikaner es damals waren, die unter der Fahne der Freiheit die indigenen Völker Nordamerikas bei der Unterwerfung des Kontinents fast ausrotteten. Erstens war der Westen nicht wild, sondern von durchaus kultivierten Volksstämmen („Indianern“) bewohnt, denen die Umwelt heilig war, und zweitens wurde er von den eingedrungenen Westsiedlern mit ausdrücklicher Billigung der Washingtoner Regierung okkupiert („go west“). Die Indianer wurden als tierähnliche Kreaturen angesehen, die man nach Belieben und ohne strafrechtliche Verfolgung niederschoß. Auch auf dieser Basis der Gewalt entstanden die USA. Die Frage muß erlaubt sein: Ging denn der russische Zar, als er das nördliche Asien (also Sibirien) in Besitz nahm, mit denselben Methoden vor? Wurden die Sibiryaken, die Menzen u.a. ausgerottet?

Es wird deutlich.

Es wird immer wieder der Versuch gemacht, den Kalten Krieg auch auf der kalten nördlichen Region der Erde zu reaktivieren, nachdem die politischen Umstürze unter dem Banner „Demokratie“ in der Ukraine, in Nordafrika, dem Nahen Osten und auch die Aktivitäten in Mittelasien nicht so erfolgreich verlaufen sind, wie sich die Privat-Profiteure das gewünscht hätten. Bei uns gibt es ein Sprichwort "Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen". Und es ist immer dasselbe Thema: Bereicherung derer, die eh schon genug haben und die dann andere in ihr Bankschuldensystem hineinziehen wollen. Die Hoheitsrechte in der 200-Meilen-Zone vor der Küste eines Landes sind international geregelt. Was gibt's da also zu meckern, wenn Putin einen Besuch bei einer russischen Station auf dem Franz-Josef-Land macht? Auch Nowaja Semlja, Sewernaja Semlja, die neusibirischen Inseln und die Wrangel-Insel sind russisches Territorium. Niemand meckert, wenn der amerikanische Präsident Hawaii besucht oder Ramstein oder irgendeinen anderen der fast 1000 US-Stützpunkte oder wenn in Puerto Rico nach wie vor die US-Flagge steht, obwohl diese Insel sich kürzlich auf Grund der niedrigen Wahlbeteiligung nicht mehrheitlich für den Verbleib bei den Staaten entschieden hat.

Was wäre wohl, wenn die Russen für die Überlassung Alaskas (und von Teilen Kaliforniens) von den USA eine Nachzahlung oder gar die Rückgabe verlangten, da der russische Zar die riesigen von Russen entdeckten Gebiete für einen viel zu niedrigen Preis an die Amis abgetreten hatte?

 

Bilder: @depositphotos @von Emilfaro (Made using File:Northern Hemisphere LamAz.png.) [Public domain], via Wikimedia Commons

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