Wie deutsche Medien von der EU bezahlt werden

Sonntag, 9. April 2017

Auf einmal stellt sich heraus: Die dpa nimmt Geld von der Brüsseler EU-Kommission an

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Die deutsche Presseagentur (dpa) ist das Flaggschiff des deutschen Journalismus. Keine Redaktion kommt ohne die Meldungen der dpa aus, die ein dichtes weltweites und nationales Korrespondentennetz unterhält und oft in einer Reihe mit der amerikanischen AP, dem britischen Dienst Reuters, der französischen AFP oder der italienischen ANSA genannt wird. Die Geschäftsanteile der dpa werden von Zeitungen und Rundfunkanstalten gehalten, also von den eigenen Kunden, was die Unabhängigkeit sichern soll. In ihren Statuten heißt es, die Agentur berichte „unparteiisch und unabhängig von Weltanschauungsfragen, Wirtschafts- und Finanzgruppen oder Regierungen“. Doch auf einmal stellt sich heraus: Die dpa nimmt Geld von der Brüsseler EU-Kommission an. 

Hans-Georg Münster, Experte, Autor

In einer Pressemitteilung der dpa vom 5. April 2017 heißt es: „Das erste Mal in ihrer Geschichte arbeiten die Nachrichtenagenturen AFP, ANSA und dpa gemeinsam an einer Europa-Plattform mit frei zugänglichen Nachrichten. Offizieller Launch-Termin der Plattform mit dem Namen European Data News Hub (EDNH), die kostenfreie Inhalte zu EU-Themen für internationale Medien bereitstellt, ist im Juni 2017. Schwerpunktmäßig bietet die Plattform daten-basierte Nachrichtenpakete, die aus Fotos, Videos, Audiobeiträgen, interaktiven Grafiken, Infografiken und Texten in fünf Sprachen bestehen. Diese sind Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch.“ Ziel sei es, "die Bevölkerung über EU-Themen zu informieren". Z.B. Umweltschutz, Migration oder Arbeitslosigkeit.

Die mit Brüsseler Geld finanzierten europäischen Berichte sollen nicht nur auf einer Homepage erscheinen, sondern direkt in den nationalen Dienst eingespeist werden: „AFP, ANSA und DPA verbreiten die Inhalte auch über ihre Netzwerke, über die weltweit zahlreiche Zeitungen, TV- und Radiostationen, mobile Nutzer, Website-Betreiber und Datenbanken sowie Regierungen und internationale Institutionen erreicht werden.“ Hier besteht ein Konflikt, dass gesponserte EU-Texte mit anderen Nachrichten vermischt werden und der Kunde nicht mehr erkennen kann, ob er selbst recherchierte und unabhängige Informationen oder abgewandelte Sprechzettel von EU-Kommissaren erhält.  

Dass die EU-Kommission an der Finanzierung von EDNH in Form einer Kofinanzierung beteiligt ist, wird von dpa zugegeben, die aber gleichzeitig ihre Unabhängigkeit betont: „Das Projekt erhält Fördermittel von der Europäischen Kommission, bleibt aber redaktionell unabhängig.“ Wie hoch die Fördermittel sein werden, wird in der Pressemitteilung verschwiegen. Die Summe findet sich aber in einer Mitteilung der EU-Kommission, wonach bis 2019 rund eine Million Euro als Ko-Finanzierung zur Verfügung gestellt werden. 

dpa gerät immer wieder in die Kritik wegen angeblich zu freundlicher Berichterstattung über die Berliner Regierung, die übrigens zu den guten Kunden der Agentur gehört. So jubelte die Agentur etwa über die Bundeskanzlerin: „Plötzlich geht Merkel warmherzig und mutig voran in der Flüchtlingspolitik.“ 

In der Pressemitteilung der EU-Kommission zum European Data News Hub ist übrigens noch viel mehr zu finden. Auch das weit verbreitete deutsche Internet-Nachrichtenportal „Spiegel online“ wird sich ab Oktober 2017 an einem Projekt namens „European Data Journalism Network“ beteiligen. Mitmachen werden weitere Internetportale aus Italien, Frankreich, den Niederlanden, Belgien usw. Von der EU gibt es auch dafür knapp eine Million Euro bis 2019.

Quellen:

www.presseportal.de/pm/8218/3605354

https://ec.europa.eu/digital-single-market/en/news/launch-two-new-projects-increase-independent-news-production-around-eu-affairs

Bilder:

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