Ukraine im freien Fall. Ohne Fallschirm

Dienstag, 21. November 2017

Ein Land mit einer reichen Geschichte verwandelt sich nach und nach in ein Drittweltland - ohne Wirtschaft, ohne Politik und ohne Zukunftsaussichten.

Man könnte natürlich darüber lachen, wie der flüchtige georgische Präsident im gebrochenen Ukrainisch schreit, dass er die Ukraine von Pseudopolitikern Typs Innenminister Awakow und des Präsidenten befreien wird. Man könnte sich darüber wundern, wie schwach und hilflos die ukrainischen Machthaber dastehen, die nicht in der Lage sind die überall im Land erstarkenden Nationalisten und Rechtsradikalen im Zaun zu halten. Man könnte sogar darüber hinwegsehen, wie dreist sich die gewählten Vertreter des Volkes gebären, einander dauernd bedrohen und beleidigen.Man könnte schlussendlich einfach nur mit dem armen ukrainischen Volk mitfühlen, das in diese Untiefen der Armut, Gesetzlosigkeit und endloser Qualen getrieben wurde.

Jan Tscherny, Politologe

In Berlin versteht man nicht - oder es wird so getan, als würde man nicht verstehen - dass die Situation um die Ukraine in einer Sackgasse angelangt ist. Blickt man aus den Fenster der deutschen Regierungsgebäude in Berlin in Richtung Kiew, glaubt man vielleicht sogar daran, dass die Ukraine allen ihren Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Assoziierungsabkommen nachkommen wird. Wenn man sich ausschließlich auf die Berichte und Zahlen von Petro Poroschenko verlässt, die er - meistens während seiner Besuche in den USA - fröhlich zum Besten gibt, dann sieht alles auch wirklich rosig aus. 

Aber die Ukraine lebt nicht nur von Zahlen.

Und die ukrainischen Bürger haben bis jetzt nichts außer Zahlen von ihrer Regierung gesehen. Freunde des Augenverschließens werden jetzt sagen: „Aber was ist mit der Visa-Freiheit für die ukrainischen Bürger? Sie können jetzt frei in und nach Europa reisen und alle unsere Errungenschaften bewundern.“

Ja, sie können reisen. Ja, sie sehen die Errungenschaften.

Aber wollen wir mal ehrlich sein. Die Visa-Freiheit erlaubt einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen am Stück, ohne das Recht zu arbeiten. Das heisst, sie können nur gucken, nicht anfassen. Die Visa-Freiheit ist eine Erfindung der Brüsseler Bürokraten, die dem einfachen ukrainischen Bürger nichts bringt.

Auf der anderen Seite ist vieles noch schlimmer.

Der Kampf gegen die Korruption tritt seit zwei, drei oder vielleicht sogar vier Jahren auf der Stelle. Die Volksvertreter weigern sich sogar eine Reform des Gerichtssystems durchzuführen, ohne die es überhaupt keine Korruptionsbekämpfung geben kann. 

Die Verbrechensrate und Gewalttätigkeiten seitens rechtsradikaler Kräfte steigen. Regimegegner werden auf offener Straße verprügelt. Die Nationalisten Stepan Bandera und Roman Schuchewitsch werden zu Nationalhelden erklärt, Straßen werden nach ihnen benannt. Hilflose Versuche das damit zu rechtfertigen, dass sie schließlich „auch gegen die Kommunisten kämpften“ sind schlichtweg beleidigend, angesichts der tausenden Juden und Polen, die von ihren Anhängern während des zweiten Weltkriegs und auch danach ermordet wurden.

Während die Bürger immer ärmer werden, schafft es der Präsident des Landes sein Privatvermögen dermaßen zu vergrößern, dass er nunmehr zu den fünf reichsten Menschen des Landes gehört. Auf seinen Konten liegt ca. 1 Milliarde Euro. Als er seine Präsidentschaft antrat, fanden sich dort nur bescheidene 750 Millionen. Das heisst, der Präsident, dessen geheime Aktiven sicher in Panama untergebracht sind, verdient in jedem Jahr seiner Präsidentschaft um die 70 Millionen Euro. Das Durchschnittsgehalt eines Ukrainers liegt bei 200 bis 400 Euro im Monat.

Und wieder über den Wohltäter Soros.

Wer hat schon nicht alles über Soros und seinen Traum die Welt zu „verbessern“ geschrieben. Auch wir haben mehrmals Dossiers publiziert, in denen wir detailliert über Milliardeninvestitionen des Börsenspekulanten und Mäzenen in demokratische Pseudoprojekte und Bunte Revolutionen berichtet haben. Begonnen hat er mit Finanzhilfen an radikale Jugendorganisationen. In Ex-Jugoslawien „Otpor“ („Der Widerstand“, Anm. d. Red.). Später in den 2000er Jahren das georgische „Kmara“(„Genug!“, Anm. d. Red.), noch ein Jahr später - die ukrainische „Pora“ („Es wird Zeit“, Anm. d. Red.). Alle diese Organisationen fielen durch ihre militärische Struktur auf, wurden streng hierarchisch von ihrem Finanzier Soros kontrolliert und waren rechtsradikal ausgerichtet. Das letztere ist besonders erstaunlich, immerhin ist die Familie des aus Ungarn stammenden Soros jüdisch. Man sollte meinen, er würde eine Abneigung, gar Hass, gegenüber den rechtsradikalen Ideen und Stimmungen in den von ihm finanzierten Organisationen empfinden. Aber nein, in der Ukraine finanzierte Soros eine Bewegung, die sich mit ultra-rechten, nationalistischen Parteien zusammengeschlossen hat, die offen antisemitisch auftreten und Hass auf alles nicht-ukrainische predigen. 

Die Partei “Swoboda“ zum Beispiel, dessen Anführer Oleh Tjahnybok wiederholt die Notwendigkeit einer Bekämpfung der „Jidden“ ansprach, erhielt mehrmals finanzielle Unterstützung von Soros. Das bestätigen indirekt Dokumente aus den Soros-Archiven, die DCLeaks veröffentlicht hat. Interessanterweise, sagte Tjahnybok gerade neulich bei einem Interview folgendes: „… Wir arbeiten nicht mit Sponsoren, sondern mit Mäzenen. Wir versprechen nicht nur nichts, sondern sie verstehen selbst, dass sie keinen Gewinn machen werden. Sie investieren ihr Geld in eine Idee, eine Organisation…“

Ganz klar, dass mit den „Mäzenen“, die ohne Aussicht auf Gewinn zu investieren bereit sind, zuallererst Soros gemeint ist. Auch die deutsche Presse hat inzwischen ihr Augenmerk auf diese Seite seiner Tätigkeiten gerichtet. So schreibt „Die Zeit“:

„Andere Organisationen erhielten Geldmittel von Soros, etwa die Menschenrechtsorganisation Helsinki Committee, der pro-europäische Thinktank Eurothink oder der Atlantic Council for Peace… Mehr als 13 Milliarden Dollar hat Soros im Laufe von 30 Jahren gespendet“. 

Kampf gegen Gespenster und Hexen

Manchen kommt die Situation in der Ukraine natürlich sehr gelegen. Man kann Hexenjäger spielen und dabei behaupten, man würde Politik betreiben. Es geht um den Kampf gegen sowjetische Symbolik. Symbolik - anders kann man den Kampf um die Zerstörung aller Denkmäler aus der Sowjetzeit nicht bezeichnen. Wenn Politiker anfangen alles zu verbieten, was nur im entferntesten an die UDSSR erinnert, dann mutet es wie ein Kampf gegen die eigene Vergangenheit an, derer sich die jetzigen Machthaber sehr zu schämen scheinen. Die Bevölkerung wird doch nicht ernsthaft daran glauben, dass der Präsident und seine Umgebung gegen den Kommunismus kämpfen?

Petro Poroschenko - Mitglied des Komsomol, studierte er an der Seefahrtsschule in den Jahren des entwickelten Sozialismus und nutzte sein Wissen und seine Erfahrungen mit großem Erfolg für seine Politiker- und Milliardär-Karriere. 

Der Premier Grojsman - ehemaliges Komsomolmitglied, ehemaliger Direktor eines Pavillons in dem ein riesiger Markt unterbracht war, sehr gut mit der reellen und mit der Schattenwirtschaft vertraut, die ihm den Weg geebnet haben.

Arsenij Jazenjuk - Schüler einer elitären Sprachenschule, studierte Wirtschaft, betrieb private Beförderungsfahrten, wobei er auch die wirtschaftlichen Erfahrungen sammelte, die ihm bei der Arbeit im Premiersessel zugute kamen.

Und, schließlich, der ukrainische Übergangspräsident, Vorsitzender des Sicherheitsrats der Ukraine Alexander Turtschinow - Sekretär des Komsomol-Bezirkskomitees, Leiter der Agitations- und Propagandaabteilung des Dnepropetrowsker Regionalkomitees des Komsomol.

Also reissen sie Leninstatuen ab. 

Die Liste kann man endlos fortführen, aber auch so ist bereits klar, dass die überzeugten Bekämpfer des Kommunismus - seine treuen Söhne und Alumni - sehr gut darin sind ein Feindbild zu erschaffen. Dieses präsentieren sie dann dem Volk, um dessen gerechtfertigten Zorn von sich selbst abzulenken. Also reissen sie Leninstatuen ab. 

Aber auch hier geht nicht alles glatt, wie die Neue Zürcher Zeitung anmerkt. Wie sich rausstellte, sollten die Leninstatuen im Meer versenkt werden. Wie radioaktiver Abfall. Verantwortlich dafür sind örtlichen Behörden. Aber nicht alle machen das so. In der Westukraine zum Beispiel, die angeblich am meisten antikommunistisch eingestellt sein soll, werden die Statuen mancherorts nicht versenkt, sondern in den nahegelegenen Wäldern versteckt.

Für den Fall der Fälle. 

«Wir wissen ja nicht, was für eine Regierung nachher kommt», - entgegnete der Bürgermeister eines dieser Orte auf die erstaunte Frage des Journalisten.

Ob der Fallschirm sich öffnet?

Quellen:

http://quer-denken.tv/geleaktes-dokument-belegt-george-soros-uebernahme-der-ukraine-fuer-die-usa/

http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-10/george-soros-ungarn-usa/seite-3

https://www.nzz.ch/feuilleton/lenin-fall-foto-tableau-niels-ackermann-ld.1321747

Bilder: @depositphotos 

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