Über die Geschichte der Sieger. Teil I

Montag, 18. September 2017

Es ist bekannt, dass „die Geschichte vom Sieger geschrieben wird“. Und das meistens ausgehend vom eigenen Vorteil, ohne jegliche Objektivität

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Bis Mitte des XX Jahrhunderts reichte es den Siegermächten, sich selbst zu feiern und den Feind zu schmähen. Allerdings reichten Feiern und Schmähungen bald nicht aus - das erschreckende Ausmaß an Zerstörung und Todesopfern machte es notwendig einen Schuldigen an der weltweiten Tragödie auszumachen.

Jan Tscherny, Osteuropaexperte

Und, um den kultivierten Schein zu wahren, musste die Schuldzuweisung zivilisiert von statten gehen - im Rahmen eines Gerichtsprozesses. Diese Aufgabe übernahm dann das Nürnberger Tribunal und, in dem es Deutschland die Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg zuwies, erhielt diese Zuweisung eine juristische Grundlage. Für das Massenbewusstsein sah dieses primitive Bild verständlich und überzeugend aus. Allerdings verkomplizierten sich im Laufe des XX Jahrhunderts die Gesellschaftsprozesse erheblich: durch die Entstehung der UDSSR und dann auch des Dritten Reichs verloren die Kriege ihre bis dahin rein merkantile Tradition. Nun waren es Kämpfe um ideologische Projekte - liberal, sozialdemokratisch, kommunistisch, faschistisch und nazistisch. Das liegt daran, dass das Gesellschaftsmodell, ebenso wie die ihm zugrundeliegenden Werte, schlussendlich von dem Volk, von der Nation selbst gewählt werden. Während die Bedingungen dafür nicht nur durch den politischen Willen des Volkes geschaffen werden, sondern ebenso dem Einfluss von Außen unterliegen. Und dabei übt das Volk oftmals nicht den stärkeren Einfluss aus. Gräbt man sich also tiefer durch die Geschichte des Zweiten Weltkriegs, könnte man entdecken, dass alles mitnichten so eindeutig ist, wie gemeinhin angenommen.

Mann könnte zum Beispiel mit der These anfangen, dass Deutschland den Krieg als Rache für die Niederlage im Ersten Weltkrieg entfesselt hat. Allerdings war der Kriegsbeginn tatsächlich im Interesse aller seiner Hauptakteure. Japans Interessen sind klar: das südöstliche Asien sollte in den eigenen „Hinterhof“ verwandelt werden. In etwa so, wie die USA es mit Lateinamerika gehandhabt haben. Die Interessen der USA waren auch ernst zu nehmen. Aus dem Ersten Weltkrieg gingen Frankreich und Großbritannien geschwächt hervor, währen die USA im Gegenteil gestärkt wurden und in die Riege der Supermächte aufgestiegen sind. Noch ein Weltkrieg würde die europäischen Staaten weiter schwächen und die Positionen der Vereinigten Staaten somit weiter stärken, bis hin zum Aufstieg zur führenden westlichen Nation.

Dass es nicht „einfach so passiert“ ist, zeigt auch das 1938 eingeleitete Programm zur Umbewaffnung der amerikanischen Armee, das ihre Schlagstärke um das dreifache steigern sollte. So kam es dann, dass während Chamberlain von einer friedlichen Zukunft sprach, die USA aus irgendeinem Grund gerade dabei waren sich verstärkt auf einen Krieg vorzubereiten. Ausgehend von dem Maßstab dieser Vorbereitung müssen die Vereinigten Staaten genau gewusst haben, dass ein erneuter Weltkrieg unvermeidbar ist. Die USA, Großbritannien und Frankreich hatten ein gemeinsames Interesse - die Zerstörung des gerade in der UDSSR statt findenden kommunistischen Projekts. Dieses zeigte nämlich recht schnell seine Effektivität. Zunächst bei dem Sieg während des Bürgerkriegs. Immerhin waren die „Weissen“ - die geballte Macht der russischen Opposition und der Triple Entente. Allerdings hat das nicht ausgereicht, die „Roten“ haben trotzdem gewonnen. Noch beeindruckender waren die wirtschaftlichen Erfolge der UDSSR. Nach fünf Jahren der „Neuen Wirtschaftspolitik“ waren 80% der während des Bürgerkriegs physisch zerstörten Wirtschaft wieder hergestellt und 1927 wurde das BIP des bis dahin erfolgreichsten Wirtschaftsjahres 1913 überholt. Das heisst, die Kommunisten haben es, trotz totaler wirtschaftlicher Blockade, geschafft das BIP zu steigern. So zeigte sich das kommunistische Projekt nicht nur im Kampf, sondern auch in der Wirtschaft höchst effektiv.

Der Westen könnte das Kommunistische Projekt nur mithilfe einer kriegerischen Auseinandersetzung zu Fall bringen. Die Vorbereitungen dazu starteten Großbritannien, Frankreich und die USA. Zunächst war ein Weltkrieg nicht geplant. Der Krieg mit der UDSSR hätte auch ohne weiteres als ein „Osteuropäischer Krieg“ statt finden können. Vor allem, weil die Länder zunächst überhaupt nicht vorhatten an dem „Marsch auf die UDSSR“ teilzunehmen - die Verluste im Ersten Weltkrieg hatten ihren Gesellschaften die Lust an weiteren Feldzügen ordentlich verschlagen. Nur ein europäisches Land konnte das für sie so wichtige Ziel erreichen - Deutschland. 

Die Verträge von Versailles haben den Ersten Weltkrieg mitnichten beendet - die Sieger haben ihn auf wirtschaftlicher Ebene fortgesetzt. Die von ihnen angesetzten Reparationszahlungen waren schon allein physisch nicht zu bezahlen. Entsprechend war deren Hauptziel Deutschland komplett auszubeuten und als Folge dessen, sein industrielles Potential zu vernichten. Als Mitte der 20-er Jahre die Gefahr des Kommunistischen Projekts erkannt wurde, nahmen die USA, Frankreich und Großbritannien den Kurs auf, es mit deutschen Waffen und Händen zu zerstören - der Wirtschaftskrieg gegen Deutschland wurde auf Eis gelegt. Genau dann nämlich begannen die USA verstärkt in die deutsche Industrie zu investieren - ohne ihre Wiederherstellung hätte Deutschland ja keinen Krieg führen können. 

Die Weimarer Republik taugte allerdings nicht für die geplante Nutzung Deutschlands als Kriegsmaschine des Westens. Weil unter den Bedingungen eines schwierigen Krieges nur eine Autoritäre Regierung effektiv sein konnte. Für die Zerstörung der Weimarer Republik brauchte es eine durch ihre Ideologie autoritärere politische Macht. Hitlers Nazi-Partei sah in der Hinsicht am vielversprechendsten aus. Man setzte daher auf ihn.  Was die Ressourcen angeht, waren die Hintergründe der Überlegungen klar. Deutschland und Österreich-Ungarn hatten genug eigene Ressourcen, um vier Jahre lang in einem Dreifronten-Krieg zu bestehen - Westfront, Ostfront und Italienfront. Würde man dieses Potential also wieder herstellen, dann wäre ein Sieg Deutschlands im Krieg allein gegen die UDSSR garantiert. Aus diesem Grund haben Großbritannien und Frankreich auch nicht lamentiert, als Hitler sich Österreich einverleibt hat. Und bei der Okkupation der Tschechoslowakei hat man gar nicht erst hin gesehen. 

Quelle: https://www.facebook.com/businessomega

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