Gastkommentar: Muss Rudolf Diesel auf die Anklagebank?

Dienstag, 8. August 2017

Als Rudolf Diesel während der Schiffsüberfahrt nach England plötzlich ins Wasser fiel und umkam, wusste noch niemand, dass seine Motoren eines Tages sprichwörtlich soviel (Fein-)Staub aufwirbeln würden

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Hatte er doch mit seiner Erfindung der Welt ein Geschenk gemacht, ohne welche die atemberaubende Ausbreitung der europäischen Zivilisation gar nicht hätte zustande kommen können. Ob Schiffe auf Flüssen oder auf dem Weltmeer, ob Bagger in Sibirien oder Holzernter in Kanada, ob Radlader auf einer deutschen Baustelle oder Planierraupen in China, ob LKW in West, Ost, Nord oder Süd, ob Diesellokomotive in Indien oder Australien… Der Dieselmotor ist nicht mehr wegzudenken. Er hat Dinge ermöglicht, die man weder mit Dampfmaschinen noch mit Elektromotoren hätte bewerkstelligen können.

Von Ulrich F. Gerhard

Und das alles soll nun plötzlich schlecht sein? 

Der Dieselmotor als effektivster Verbrennungsmotor, auf den ein Herr Rockefeller vor über 100 Jahren so sauer war, weil er ihm das Ölgeschäft zu verderben drohte, ist wahrlich ein Denkmal deutscher Ingenieurskunst. Sogar eine Diesel-Medaille gibt es, die nach Rudolf benannt ist. Das Theater mit dem Feinstaub und den Stickoxyden hingegen ist nichts anderes als ein Akt der narzisstischen Selbstinszenierung rotgrüner Deindustrialisierungsträumer.  Die Kinder, die die Nachkriegs-Konsumrevolution nicht fraß, weil sie dank des Wirtschaftswunders überlebten, trauern heute als Ökogreise ihrer verlorenen Jugend nach, indem sie das Rousseau’sche „Zurück zur Natur“ predigen. War die Jugend wirklich so naturfern? Oder hatte man nur vergessen sie zu genießen, weil man von den politischen Aktivitäten der 1968er Jahre in Anspruch genommen war? Hatte man über den hitzköpfigen Reden über Mao, Fidel Castro und Lenin vergessen, Wanderungen durch die Mark Brandenburg zu unternehmen und lieber frische Luft als linken Mief zu schnappen?Diese Althippies wollen allen Ernstes aus einem Industrieland wie Deutschland eine Naturidylle fabrizieren, indem sie alles bekämpfen, was mit Kohlenwasserstoffverbrennung zu tun hat. Und ist das allen Ernstes auch der Wunsch aller Deutschen und Europäer? Wurden die danach gefragt? Nicht dass ich wüsste. Dass aber ihre eigenen Körper demselben Verbrennungsprinzip folgen und ebenfalls Kohlenwasserstoffe in Form von Brot, Fleisch, Gemüse und Obst verbrennen, wenn auch langsamer, scheinen sie übersehen zu haben.  

Sie wehren sich also gegen ein Naturprinzip, nur weil es eine technische Nachahmung in Form von Motoren gibt. Warum?

Natürlich wäre es sinnvoll, den Individualverkehr zu begrenzen oder bestimmte Nutzungsformen von Verbrennung, aber dieses fanatische „Alles muss weg“ – Gehabe, das bis hinauf zu den Ministerien gepflegt wird, diese sogenannte De-Karbonisierung, diese De-Industrialisierung wird früher oder später zu neuen Problemen führen. Wovon soll ein Industrieland sich denn ernähren, wenn es keine Industrie mehr hat? Wollen wir wieder alle selbst die Kartoffeln ausbuddeln, in der Hitze mit der Sichel das (inzwischen viele zu kurze) Getreide schneiden oder die Zuckerrüben mit der Hand rausziehen? Erst wenn die Folgen dieses Unsinns spürbar werden, wird man sich an diesen Fehltritt des beginnenden 21. Jahrhunderts erinnern, an die Windradhysterie, an den Photovoltaik-Wahn, an die Kohlendioxyd-Verteufelung. Nein… Solange Menschen und Tiere auf dieser Erde leben, solange werden sie CO2 ausatmen und solange Verbrennungsmotoren laufen, werden sie dasselbe tun. Der Kohlenstoff-Stoffwechsel ist und bleibt eine Lebenstatsache, um die man sich nicht herumlügen kann und weder durch Feinstaub, noch durch Stickoxyde, noch durch Kohlendioxyd wird sich die Zusammensetzung unserer Atmosphäre verändern. Trotz massiver technischer Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas hat sich der CO2-Gehalt praktisch nicht verändert und liegt weiterhin bei 0,04 Prozent. Denn auch die Atmosphäre ist ein lebendiger Organismus, der auf Stoffe und mit Stoffen reagiert und der Ausgleichsprozesse herstellt. Täte er dies nicht, wäre die Menschheit schon längst erstickt. 

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