Gastkommentar: die Welt aus den Fugen – neuen Chancen für die Welt

Freitag, 22. September 2017

Betrachtet man die auf dem Globus ablaufenden Ereignisse in der Gesamtschau, so ergeben sich daraus Schlussfolgerungen, die bisher sehr unzureichend in die geopolitische Arbeit der Nationen eingeflossen sind

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Von Ulrich F. Gerhard

1.Amerikas Wille zur Weltherrschaft ist ungebrochen. Nicht erst durch die sich ständig selbst widersprechenden Äußerungen des neuen Präsidenten wurde dieser Anspruch deutlich. Trump unterliegt offensichtlich dem massiven Druck der Lobbykräfte der Militärindustrie, die den US-Kongreß genauso durchdringen wie das Brüsseler oder das Berliner Regierungsinstitut. Diese Lobbykräfte setzten ihre privaten Interessen bisher rücksichtslos gegen den erklärten Willen der Völker durch und interessierten sich nicht für Frieden, für echte demokratische Strukturen, das Selbstbestimmungsrecht der Völker oder die berechtigten Interessen gewisser sogenannter „Schurkenstaaten“ (US-Begriff). Täten sie dies, müssten sie es erst noch unter Beweis stellen. Schwerter zu Pflugscharen wäre so etwas.

2. Die islamischen Staaten befinden sich in Wartestellung. Sie warten darauf, daß sie den „clash of civilizations“ (Huntington) an einer historisch günstigen Stelle erwischen, um der weißen europäischen Rasse, Kultur und Zivilisation des Todesstoß zu verpassen. Dabei werden sie offensichtlich von den Kreisen unterstützt, die die Nationalstaaten abschaffen wollen, um ihre zum Wahnsinn getriebenen Profitvorstellungen durch eine vollständige Kommerzialisierung der Welt zu verwirklichen. Islam also als Instrumentalisierung privater Interessen.

3. Die sogenannten „Schurkenstaaten“, also im wesentlichen der Iran, Venezuela, Bolivien, Argentinien, Syrien, aber auch Russland, Weißrußland, Argentinien, Brasilien und einige andere stehen auf der Liste der Umerziehung. Wenn ideologische Mittel nicht ausreichen, dann per smartgemachter Revolution mit Hilfe von im Regierungsauftrag stehenden, hochsubventionierten Nichtregierungspropagandainstituten und mit dem Anleitungsbüchlein  des US-Autors Gene Sharp („From Dictatorship to Democracy“).

4. Die Manipulation der Sprache, begonnen mit der „political correctness“, breitet sich auf alle Felder des politischen Lebens aus. So werden Kriegseinsätze wie alle Gewalt der „westlichen Wertegemeinschaft“ entweder verharmlost oder aber als unumgänglich dargestellt. Man nennt sie nun Militäroperationen, Demokratieverteidigung, Verteidigung der Menschenrechte u.v.m. Diejenigen kriegerischen Handlungen der Gegenseite aber werden als Terrorismus oder friedengefährdend eingestuft. So kann geht’s nicht. Beispiel: Syrien.

5. Die faktische Abschaffung der Nationalstaaten durch die weitere und kontinuierliche Schwächung ihrer Zuständigkeiten in Recht und Gesetz, in Handel und Verkehr, in Kommunikationstechnik und Wissenschaft (Geschäft mit dem Klimawandel) mit Hilfe sogenannter Freihandelsabkommen nimmt bedenkliche Ausmaße an. Die den Staaten ureigene Selbstbestimmung in all diesen Bereichen wird ausgehebelt, um die Welt in einen Marktplatz der Megakonzerne umzuwandeln.

6. Die weiße europäische Kultur als die führende zivilisatorische und ethische Kraft der letzten 200 Jahre wird zerschlagen, um ihre Reste den hereinströmenden, überwiegend islamischen Einwanderern zur Verfügung zu stellen.

7. Das Christentum wird als Weltreligion pervertiert, indem es zur „Religion für alle“ deklariert wird. „Ehe für alle“ ist ein Stück davon. Der derzeitige Papst verstößt gegen die Prinzipien des katholischen Glaubens und fordert zur Befolgung sogenannter Vielfalt auf. Er vertritt Irrlehren und müßte längst seinen Stuhl verlassen haben. Dies ist in Katholikenkreisen bekannt. Damit liefert er die Kirche dem zersetzenden Einfluß des Islam aus. In Spanien (el andaluz) wartet dieser bereits auf seine zweite Chance, nachdem er im 14.Jht. von den christlichen kastilischen Herrschern aus Europa vertrieben worden war. Der Islam muß in seine Schranken verwiesen werden. Auch er muß durch Volksabstimmungen legitimiert oder delegitmiert werden. Sogenannte unantastbare Glaubensbekenntnisse sind keine Grundlage für den Weltfrieden und die Völkerverständigung.

8. Wladimir Putin wird im Osten als der neue „böse“ Herrscher hingestellt, obwohl alle objektiven und jedermann zugänglichen Fakten das Gegenteil belegen. Nachzulesen bei Gabriele Krone-Schmalz. Putin, der es gewagt und geschafft hat, die von einem gewissen Jelzin übernommene russische Oligarchenrepublik zu einem selbstbewussten und wirtschaftlich unabhängigen Staat zu machen, muß als der „Schurke“ schlechthin gelten, da er mit einem geografisch ausgedehnten, kulturell bedeutsamen und wirtschaftlich mächtigen 140 Mio-Volk ein Gegengewicht zu denjenigen darstellt, die auf ständige Neueroberung aus sind.  Die entstehende eurasische Achse (Lissabon-Wladiwostok), um die kein Weg herumführt, die von China und Russland aus der Taufe gehobene neue Seidenstraße und die Einkoppelung der wirtschaftlichen und politischen Interessen in die Gruppe südlicher Staaten mit Hilfe der BRICS-Gruppe, eine neue Shanghai-Entwicklungsbank sowie die zunehmende Unabhängigmachung von der US-Papier-Währung sowie das Anlegen von Goldvorräten sind Fakten, die nicht mehr wegzudiskutieren sind. Gründe, deswegen Krieg zu führen, sind sie nicht.

9. Die Ukraine-Politik des Westens muß vollständig geändert werden. Statt eines „Entweder -oder“ gehört ein „Sowohl - als auch“ auf die Tagesordnung der beteiligten Kräfte. Die Ukraine ist von jeher durch die russische Kultur geprägt, sie war die Weizenkammer der UdSSR, sie ist ein an Naturschätzen reiches Land, das allerdings in die richtigen politischen Hände gehört. Ob Schokoladenbarone wie der derzeitige Präsident die richtige Wahl sind, ist die Frage. Die Ukraine muß ihre Probleme selbst lösen, denn ausländische Hilfe wird schnell zu ausländischer Einmischung. Sie muß sich sowohl an westlichen als auch an östlichen Ländern Europas orientieren können und das Gerangel und Gezerre müssen aufhören. Und wer Russland die Krim abnehmen will, der ist politisch naiv und hat, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, noch nichts von existentiellen staatlichen Interessen gehört. Es wäre ähnlich, als würde man den USA, die 1000 Militärbasen rund um die Welt unterhalten, mal eben die eine oder die andere Besitzung wegnehmen. Denken wir nur mal an spanisch-amerikanischen Krieg. Die Krimäer haben in einem Volksentscheid unter Wahrung rechtsstaatlicher Grundsätze abgestimmt und es gibt kein ernstzunehmendes Argument, einen solchen Volksentscheid in Frage zu stellen. 

10. Europa und in seinem Zentrum die Bundesrepublik Deutschland (vollständiger Name!) warten seit langem auf ihre Emanzipation aus dem beschränkenden Einfluß des Westens, um durch normale wirtschaftliche Beziehungen zum europäischen Osten – also Russland und die GUS – zu einem Ruhepol wirtschaftlicher und politischer Ausgeglichenheit zu kommen. Die Einbeziehung Russlands durch Westeuropa hätte außer der wirtschaftlichen Stärkung eine ungeheure Wirkung auf unser gesellschaftliches und religiöses Leben zur Folge, wenn man sie denn zuließe. Dies steht aus und wartet auf Umsetzung – statt sogenannter Rußlandsanktionen. Diese sind, nebenbei bemerkt, eine Art Strafe für nicht folgsame Kinder und kein Mittel der Politik. Vor allem werden dadurch in erster Linie private Unternehmen geschädigt, nicht Staaten. Wenn man Einfluß nehmen will, dann bitte über die vorhandenen diplomatischen Kanäle. Dafür sind sie da. 

11. Die Neugestaltung des Verhältnisses der Nordländer zu den Südländern der Erde ist ein Erfordernis, das eine weitere grundsätzliche Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit des Planeten hat. Entwicklungshilfe war gestern, Partnerschaft auf Augenhöhe ist heute. Dazu gehört die Beendigung der wirtschaftlichen Ausbeutung Südamerikas, Afrikas und Süd- und Südostasiens durch amerikanische, europäische, chinesische und japanische Konzerne. Der Erhalt der Regenwälder, des Fischreichtums des Weltmeere sowie der Aufbau eigenständiger und sich selbst tragender Volkswirtschaften in den Südländern muß vorrangiges Ziel der „alten weißen Männer“ sein. Wir sollten im Süden keine Konkurrenz erkennen, die unsere Profite schmälert, sondern die Nachfolger und Umsetzer des europäischen Systems, die das Nützliche aus Europa mit dem notwendigen Traditionellen aus Afrika, Südamerika und Südostasien kombinieren. Eine solche Vielfalt ist nicht nur nützlich, sondern auch bereichernd für die ganze Welt. Sie erhält die Nationalstaaten und macht Massenauswanderung unnötig. Die Voraussetzungen dafür können nur geschaffen werden, wenn ein System des gegenseitigen Vertrauens und des Einbeziehens geschaffen wird, statt sich mit „Ablassprämien“ (Entwicklungshilfe) aus der Affäre zu ziehen. Die weißen Europäer müssen sich dazu erst mal aus ihrer von neomarxistischen Kreisen verordneten Sklavenhalter-Schuld befreien. Die Afrikanische Union (AU) muß dazu an den Tisch geholt werden.

12. Der Nahostkonflikt muß im Sinne der Vernunft und unter Berücksichtigung der Interessen der beteiligten Länder beendet werden. Statthalterinteressen des Westens sind abzulehnen. Die friedliche Koexistenz aller dort vorhandenen Staaten muß zur Grundlage zukünftigen Friedens werden. Jedes Volk und jede Nation muß selbst über seine Geschicke bestimmen dürfen. Ausländische Einflüsse und Interessenwahrnehmungen (etwa um mit Gewalt Demokratie herzustellen oder neue Absatzmärkte für westliche Waren zu schaffen) sind ebenfalls abzulehnen, es sei denn, sie sind ausdrücklich gewünscht. Dazu muß Transparenz geschaffen werden, um Streit unter Nachbarn zu verhindern.

Dieser Katalog ist nicht vollständig, aber er kann und soll dazu anregen, die Dinge in einem neuen Licht zu sehen. Es mag daraus erhellen, daß die Völker dieser Welt nur durch rational begründbares Handeln zum Frieden gelangen können, nicht aber durch religiösen Fanatismus oder die Lust an der einseitigen Expansion von ökonomischen Einflußzonen und an der Vermehrung des privaten Reichtums durch Markteroberung. Wirtschaft ist kein Selbstzweck, sondern muß sich den Interessen der Bürger unterordnen. Und mit der Politik ist es nicht viel anders. 

(Orthographie und Interpunktion des Autors wurden beibehalten)

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