Die eurasische Alternative. Ein Porträt in Farben

Freitag, 28. Juli 2017

Gastkommentar: Der unbeliebte, autoritäre, mächtige, aber selbstbewusste und weltpolitikbestimmende Wladimir Putin

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Vorwort der Redaktion:

Die Welt versteht nicht wie ihr geschieht. Überall scheint Vladimir Putin präsent zu sein - sei es sichtbar oder unsichtbar. G20-Gipfel? Alle interessieren sich nur für das Treffen zwischen Trump und Putin. Die Syrien-Krise ist ohne Moskaus Einverständnis unlösbar. Die Atomare Bedrohung durch Nordkorea - wo ist Putin? Der innerparteiliche Kampf zwischen den Republikanern und den Demokraten in den USA - das war Putin. Für die einen ist er das Sinnbild eines autoritären, selbstherrlichen Herrschers. Für die anderen - ein Mensch, der sich nicht davor scheut unbeliebte Entscheidungen zu treffen und dem weltweiten Mainstream zu widerstehen. Die Redaktion von World Economy erreichen oft verschiedene Leserbriefe, mal kritische, manchmal lobende. Einer unserer fast schon Stamm-Kommentatoren, Ulrich F. Gerhard, sendete uns seine Sicht auf den russischen Präsidenten, die wir heute veröffentlichen. 

Wir ermuntern auch andere Leser dazu uns ihre Kommentare, Meinungen zuzusenden, die wir auch weiterhin auf unserer Seite veröffentlichen werden. 

Von Ulrich F. Gerhard
Der Meinungsmainstream schimpft auf Putin. Er ist der Sündenbock, der Befestiger alles Gestrigen, der hochgerüstete wiedergekehrte Zar, der autoritäre Herrscher über einen Landblock von beträchtlicher Größe und unermeßlichen Energiereserven. Er widersetzt sich der neoliberalen Landnahme durch den Dollar, den sorosistischen Revolutionen und den dazu durch smarten Telefonverkehr instrumentalisierten Prostestbewegungen aller Farbschattierungen. 

Putin spielt dabei jedoch nur die Trumpfkarte aus, die einem Führer des riesigen Nachsowjetstaates zur Verfügung steht und die auch auf der US-amerikanischen Seite nach wie vor ausschlaggebend ist: die nationale Sicherheit und die eigene Stärke. Wo nationale Sicherheit gefährdet ist, durch was auch immer, ist der starke Staat und der starke Staatsmann gefordert. Es sei denn, man hat keinen solchen. Putin-Befürworter zu sein bedeutet vor allem , daß das Recht eines großen, traditionsreichen Staates und der dazugehörigen Nation seinen Platz in der Völkerfamilie hat. 

Demgegenüber sind alle Versuche, dieses Land zu diskreditieren, eine sehr durchsichtige Angelegenheit. 

Wenn sich gewisse Staaten in selbstgerechter Weise anmaßen, hier die Spielregeln nach ihren Interessen auszulegen oder gar zu bestimmen, so zeigt dies eine im Grunde unfriedliche, intolerante und kurzsichtige Einstellung. Auch wenn in der Zeit Lenins und Stalins sich in diesem Land grauenvolle Dinge abgespielt haben, ist dies kein Grund, einen nationalen Neuanfang behindern zu wollen, der seit 1990 unter schweren Geburtswehen zustande kam und nun zu einem vernünftigen Ende geführt werden muß. 

Nach meiner Einschätzung hat Putin das historische und ökonomische Wissen, die Verantwortungsbereitschaft und den von weltpolitischem Denken bestimmten Geist, die wesentlichen und gestaltgebenden Elemente der russischen Nation in eine angemessene Form zu gießen, denn bisher ist ohne Beispiel geblieben, wie ein Staat nach der Beendigung eines in die Irre gefahrenen kommunistischen Systems einen Neustart hinbekommt. Ohne Putin wäre der Weltfrieden längst in ein großes Desaster übergegangen. Und gerade deswegen müssen die Beziehungen gutwilliger und weitsichtiger deutscher Politiker anerkannt werden, mit Putin eine neue Achse der ökonomischen Zusammenarbeit und der guten nachbarschaftlichen Freundschaft aufzubauen. 

Alle gegenteilig ausgerichteten Kräfte müssen notwendigerweise neuen Unfrieden schaffen, denn sie konterkarieren die markig und ständig vorgetragenen Worte von der heiligen Demokratie und der Selbstbestimmung der Völker. 

Hier müssen sich die nach wie vor an einem einseitigen, aber umso eifersüchtiger vertretenen Wirtschaftsmodell ausgerichteten Politiker des Abendlandes einmal an die eigene Nase fassen, bevor sie den Stab über andere brechen. Freihandel kann nicht bedeuten, daß man sich über nationale Regeln, kulturelle Gegebenheiten und historische Verankerungen hinwegsetzt. Der Ausbau der Wirtschaftskontakte sowie auch der Jugendaustausch mit dem europäischen Osten und dem asiatischen Westen sind deshalb die wichtigsten Säulen für eine neue und dauerhafte Zusammenarbeit auf unserem gemeinsamen Erdteil. Nur so kann es auf dem gesamten Großkontinent Eurasien eines Tages zu einem funktionierenden und sich gegenseitig ergänzenden Wirtschafts- und Kulturraum kommen, der seine Grenzen nicht mehr mit Fernraketen, U-Booten oder mit der Abwehr von Cyberattacken schützen muß. 

Dafür ist vor allem der Fortbestand und die völlige Souveränität aller jetzt bestehenden Nationen unabdingbar, die nicht durch die Interessen privater Konzerne aufs Spiel gesetzt werden dürfen. Das Modell der neuen Seidenstraße zeigt konkret auf, welche Möglichkeiten vorhanden sind.

(Orthographie und Interpunktion des Autors wurden beibehalten)

 

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