Bodenloses Loch der Ukraine

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Wieder tausende Nationalisten auf den Straßen von Kiew, die Bandera, den Gründer der ''Ukrainischen Aufständischen Armee'' feierten

Auf dem Donbas fallen noch immer Schüsse. Auch wenn die internationalen Medien - allen voran in Deutschland - die Zustände innerhalb der Ukraine ignorieren, so muss man sich nun die Frage stellen, ob bereits ein neuer Majdan statt findet.

Jan Tscherny, Osteuropaexperte

In der Landeshauptstadt Kiew versammelten sich vor kurzem mehr als 20.000 Nationalisten, die der Gründung der "Ukrainischen Aufständischen Armee" (UPA) gedachten und zum Teil auch den rechten Arm zum Hitlergruß erhoben. Die Partei, die vor 75 Jahren gegründet wurde, kollaborierte mit Hitler-Deutschland. In diesen Jahren wurden zehntausende Polen und Juden getötet. Umso beunruhigender ist die Tatsache, dass rund 3.000 Teilnehmer Bilder hochhielten, die den Führer der UPA, Stepan Bandera, zeigten. Traurig ist auch die Tatsache, dass dieser Fackelmarsch der Nationalisten international keine Bedeutung fand. Auch Deutschland äußerte sich nicht zu diesen Ereignissen. 

Politische Unruhen sorgen für ein anhaltendes Chaos

Doch nicht nur die Nationalisten werden von Europa ignoriert, auch die aktuelle Lage, die derzeit um den Donbas herrscht, wird von den Medien weitestgehend verschwiegen. Der Donbas befindet sich noch immer im Bürgerkrieg. 

Als wären die Ultra-Rechten und die Kriegszustände innerhalb des Landes nicht genug, so äußerte sich nun der ehemalige Präsident Georgiens, Michail Saakaschwili, zur "Lage der Nation" und forderte den ukrainischen Präsidenten zum Rücktritt auf. Aus ukrainischen Quellen wird berichtet, dass es sich um eine Auseinandersetzung in der Führungsriege handelt. Die Bevölkerung traut weder der einen noch der anderen Gruppe. Gleichzeitig könnte es sein, dass das Ausland mit den gegenwärtigen Machthabern die Geduld verliert und Saakaschwili daraus etwas Zuversicht schöpft.

"Das Volk muss endlich befreit werden", so Saakaschwili, der erklärte, dass innerhalb des Landes keine politischen Prozesse mehr stattfinden würden. "Solange Poroschenko Präsident ist, wird es weiterhin keine Verbesserungen geben. Wir versinken im Sumpf der Korruption." 

Es könnte zwar zu Neuwahlen kommen, „Mischa“ werden dabei jedoch kaum Chancen eingeräumt. Im Zuge der Auseinandersetzungen kam es auch zu Zusammenstößen mit der Polizei, zahlreiche Teilnehmer mussten medizinisch versorgt werden.

Bilder: @depositphotos 

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