„Wir gucken sehr hoffnungsfroh und positiv in die Zukunft“

Montag, 13. November 2017

Jan Burdinski, Repräsentant der Hyundai Motor Company in Brüssel im Gespräch mit World Economy über das Wirtschaftsklima in Europa und Deutschland

WE: Wie kann man das momentan herrschende Wirtschaftsklima beschreiben - in Deutschland, in Europa, in der Welt?

Jan Burdinski:

Wir haben seit der Finanzkrise 2008 ein ununterbrochenes Wachstum in Europa. Das wird sich nächstes Jahr auch weiter fort setzten. Nächstes Jahr wird die Wirtschaft in der Europaschen Union wieder über zwei Prozent wachsen. Wir gucken deswegen - auch als Automobilunternehmen - sehr hoffnungsfroh und positiv in die Zukunft. Die ökonomischen Rahmenbedingungen gepaart mit unseren sehr konkurrenzfähigen Produkten sind die Grundlage dafür, dass Hyundai 2020 die erfolgreichste asiatische Automobilmarke in Europa sein wird.

WE: Könnten die Zahlen sich verändern, wenn es zu Veränderungen in der Welt kommt, siehe Nordkorea?

Jan Burdinski:

Wenn es in Nordkorea zu einem Konflikt kommen sollte, wovon ich nicht ausgehe, weil keine der beteiligten Parteien davon etwas hätte, dann hätte es natürlich auch für die südkoreanische Wirtschaft und damit für unser Unternehmen, für Hyundai, für Kia, Auswirkungen. Allerdings halte ich das für sehr hypothetisch. Es wird Auswirkungen geben, natürlich. Aber wir wollen in dem Konflikt mit Nordkorea ja nicht vom schlimmsten ausgehen. Aktuell, so sagen mir auch meine koreanischen Kollegen, gehen wir davon aus, dass nichts passieren wird, wie auch in den Jahrzehnten zuvor. Global sehen wir eine Gegenreaktion zu der Abkehr der Amerikaner vom freien Welthandel. Europa, Asien und Südamerika werden Handelsschranken beseitigen und damit das weltweite Wachstum weiter unterstützen. Notfalls und bedauerlicherweise auch ohne die USA.

WE: Spielen die verschiedenen Sanktionen - gegen den Iran, Russland oder Nordkorea - irgendeine Rolle? Hat das irgendwelche Auswirkungen auf das allgemeine Wirtschaftsklima in Europa?

Jan Burdinski:

Sanktionen sorgen immer dafür, dass Warenaustausch nicht statt findet. Ohne Sanktionen würde das Wirtschaftswachstum folglich stärker ansteigen. Ich glaube aber nicht, dass die Sanktionen gegen Russland oder das, was noch an Sanktionen gegen den Iran besteht, einen signifikanten Einfluss auf die europäische Entwicklung in den nächsten Jahren haben werden. Sicherlich ist der Iran für die Automobilindustrie ein sehr interessanter, lukrativer Markt. Wir sind dort aber noch sehr zurückhaltend, weil wir die politische Stabilität in dem Land einfach noch nicht sehen und unser Pulver daher noch ein bisschen trocken halten. Maßgeblich für das europäische Wirtschaftsklima ist auch die Frage, wie der Brexit vollzogen wird und die Arbeitsmarktreformen in Frankreich umgesetzt werden. 

Bilder: @depositphotos 

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