Wie Deutschland „Russisches Roulette“ in der Politik spielen will

Mittwoch, 22. Februar 2017

World Economy fragt -''Haltet den Dieb!'', - erklärt Willy Wimmer die Taktik der deutschen Massenmedien

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Willy Wimmer, Staatssekretär a.D., am Telefon im Gespräch mit  Dr. Alexander Sosnowski, Chefredakteur World Economy

WE: Die Zeit veröffentlichte unlängst einen Artikel unter dem Titel „Bundestagswahl: Wie wir die Wahl vor russischem Einfluss schützen können“. Hat damit die Hexenjagd in Deutschland bereits begonnen?

Willy Wimmer:

Wir müssen wohl davon ausgehen, und zwar schon seit längerer Zeit, dass die uns seit Jahren bekannte Struktur der westlichen Presse aus einer Reihe von Gründen zusammenbricht. Man kann in diesen Tagen bei den Kommentierungen aus den Vereinigten Staaten hören, dass die beiden Flaggschiffe der westlichen Presse - die New York Times und die Washington Post - offensichtlich mit sehr großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Da sich in den Vereinigten Staaten alles zunächst mal finanziell nieder schlägt, scheint das jedenfalls eine solche Größenordnung zu haben, dass darüber international berichtet wird. Das hat bestimmt, wie bei uns auch, zwei Gründe. Die Menschen haben die Nase voll davon aus den Zeitungen, aus den Rundfunk- und Fernsehanstalten belogen zu werden. Und die Linie der Lügen fängt nicht erst mit dem Jugoslawienkrieg 1999 an. Das hat sich dann aber fortgesetzt über die auch vom Präsidenten Trump angesprochene Lügerei im Zusammenhang mit dem Irakkrieg und ging dann weiter über Syrien, bis nach Libyen und nach Mali. Vor diesem Hintergrund haben die Menschen offensichtlich die Nase voll, das gilt auch für die öffentlich-rechtlichen Medien bei uns in Deutschland.

WE: Hat damit die Hexenjagd in Deutschland bereits begonnen?

Willy Wimmer:

Es hat noch nie in unserem Leben so viele Programmbeschwerden über die ARD und ZDF gegeben, wie in diesen Monaten und in diesen Jahren. Das ist der erste Punkt. Der zweite Punkt ist, dass es alles natürlich mit dem Geld zusammen hängt und die Leser der Zeitungen zwei Dinge machen können. Sie können die Zeitung nicht mehr lesen oder Fernsehen und Rundfunk nicht mehr hören und/oder als Abonnenten kündigen. Und das ist auch die Entwicklung bei den deutschen Zeitungen, die wir seit Jahren verfolgen können. Da haben sich bei großen Zeitungen, auch auf regionaler Ebene, die Abonnentenzahlen halbiert. Vor diesem Hintergrund haben wir ganz allgemein eine Umbruchsituation bei den westlichen Medien. Und dann gibt es natürlich eine moderne Haltung, die besagt: „Haltet den Dieb!“. Weil man sich selber nicht mit den Ursachen im eigenen Haus beschäftigen will, verfällt man auf die Schnapsidee - wie man in freien Ländern sagen würde - und sagt: „Der Russe ist schuld!“. Wir haben zuletzt in „Die Anstalt“, einer Sendung im ZDF, einen wunderbaren Sketch darüber gesehen, was es bedeutet, wenn man „Der Russe ist schuld“ sagt. Es fällt letztlich alles auf uns selbst zurück, offensichtlich brauchen wir eine gewisse Zeit, um es zu verstehen oder wir wollen es gar nicht merken. Aber wir müssen es.

WE: Andererseits, man kann zwar einige der Gründe für Besorgnis nachvollziehen, aber es scheint schon seit geraumer Zeit eine regelrechte Hetzjagd veranstaltet zu werden, vor allem auf diejenigen, die etwas angeblich „pro-russisches“ sagen, schreiben oder meinen.

Willy Wimmer:

Das ist eine Auseinandersetzung, die gerade in einer bürgerkriegsähnlichen Situation in Washington ausgetragen wird. President Trump ist von einem großen Teil der amerikanischen Bevölkerung gewählt worden, aber das spielt offensichtlich keine Rolle, weil sich in Washington die Speerspitze des republikanisch-demokratischen Kriegsestablishments zusammen gefunden hat und denen ist es völlig egal, wer als Präsident gewählt wird. Hauptsache, sie können auf Dauer ihre auf Konfrontation, Krieg und Weltbeherrschung zielende Politik durch führen.

WE:  Also alle, die nur ansatzweise Verständnis für Russland aufbringen, stehen auf einer „Abschussliste“?

Willy Wimmer:

Vor diesem Hintergrund ist jeder, der sagt, was gesagt werden muss - auch im Zusammenhang mit der weltpolitischen Entwicklung - für diese Kräfte ein Gegner, der beseitigt werden muss. Das sind keine zimperlichen Zeiten in denen wir leben. Der Takt dafür wird zu unserem Bedauern in Washington angegeben. Wir werden das an diesem Wochenende schon sehen, wenn der, wie ich ihn nenne „Präsident der Finsternis“ - Senator John McCain, der wirklich die Spitze dieses Kriegsestablishments bildet - den Roten Teppich in München ausgerollt bekommt, um mit Frau Merkel konferieren zu können. Das sind alles Dinge, da kann ich nur sagen: Das ist schrecklich! Das sind Dimensionen, die man sich so nicht gewünscht hat und damit muss man fertig werden.

WE: Sie haben McCain erwähnt. Gibt es außer ihm namentlich bekannte Strippenzieher für diese Hetzkampagnen? Sind noch andere Namen bekannt oder ist das schon eine Verschwörungstheorie?

Willy Wimmer:

Ja, der Begriff „Verschwörungstheorie“ wird verwendet, wenn man sich mit der Wirklichkeit nicht beschäftigen will. Aber die Wirklichkeit lässt sich nun mal nicht unterdrücken, das haben wir auch nach der Wahl des Präsidenten Trump gesehen. Der Mann war noch nicht gewählt, die Wahlergebnisse noch nicht trocken, als sich schon eine Kamarilla von interessierten Großpotentaten unter der Führung des Herrn Soros in Washington zusammen gefunden hat, um in einem Kriegsrat zu beraten, wie man mit einem Präsidenten Trump fertig werden könnte. Dafür scheinen auch große Finanzmittel zur Verfügung gestellt worden zu sein, wenn man die Berichterstattung in der deutschen Presse Revue passiert lässt. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich das alles natürlich nicht nur im amerikanischen Kongress, für dieses Kriegsestablishment gibt es tragende Kräfte und man muss sich mit der Struktur der Vereinigten Staaten beschäftigen. In Deutschland und, wie ich glaube, in anderen Teilen Europas auch, hat man das schon alleine deshalb nicht gemacht, weil man davon ausging, dass die Amerikaner sowieso unsere Freunde sind und was sollen wir uns mit unseren Freunden beschäftigen? Freunde hat man, aber inzwischen muss man fest stellen, dass das Schicksal des amerikanischen Präsidenten Trump offensichtlich an dem seidenen Faden der inneramerikanischen Auseinandersetzungen mit diesem Kriegsestablishment hängt. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern bittere Wahrheit, wenn man sich die Nachrichtensendungen und Diskussionsveranstaltungen auf CNN mal ansieht. Gegenüber dem eigenen Präsidenten wird ein Hass an den Tag gelegt, den man in der Vergangenheit nur hatte, wenn es um Josef Stalin oder Saddam Hussein ging.

WE: Nun musste einer der Trump-Berater, Michael T. Flynn, zurücktreten und zwar wegen seines Gesprächs mit dem russischen Botschafter. Das ist schon ein außergewöhnlicher Vorgang, wenn die russische Seite gleichzeitig beschuldigt wird, über genau solche Wege die amerikanische Politik beeinflussen zu wollen. Ist das ein weiterer Schritt zu weiteren Verschlechterung der amerikanisch-russischen Beziehungen oder wird Trump da etwas ändern können?

Willy Wimmer:

Die Gefahr, die diese Kräfte gesehen haben und immer noch sehen, ist in der Tat, dass Trump etwas ändern könnte. Er hat als Kandidat schon keinen Hehl daraus gemacht, dass er eine auf den Abgleich von Interessen ausgerichtete Politik gegenüber der russischen Föderation bevorzugen würde. Und nicht die pure Konfrontation, wie wir sie unter Obama und unter den Clintons generell gesehen haben. Das ist die Gefahr, die mit dem Namen Trump verbunden ist, dass er Politik mit dem Verstand und nicht mit Panzerkanonen machen will. Das ist die größte Herausforderung für andere Kräfte, die genau das nicht wollen und die die Russische Föderation als Hindernis auf dem Weg zur endgültigen Übernahme der globalen Kontrolle empfinden. An dem Tag, an dem man den Präsidenten Trump, wie man ihn aus dem Wahlkampf kennt, das sage ich ausdrücklich, wenn es den plötzlich nicht mehr geben sollte, muss man sich überlegen, ob man nicht doch besser im Garten einen Bunker baut.

WE: Wo steht jetzt Frau Merkel? Sie hat nicht die besten Beziehungen zu Putin, wohl auch nicht zu Trump, aber sie führt unser Land. Wohin?

Willy Wimmer:

Das deutsche Volk kann diese Frage auch nicht beantworten. Man hat nicht den Eindruck, dass sie die Belange des deutschen Volkes repräsentiert. Wie sollen wir da schlauer sein, als diejenigen, die vom Ausland aus die deutsche Bundeskanzlerin beurteilen. Wir haben im Zusammenhang mit der Migrationsentwicklung seit 2015 gesehen, dass die Bundeskanzlerin sich über die Gesetze unseres Staates erhoben hat und offensichtlich eine Agenda verfolgt, die niemand in Deutschland kennt. Die Fragezeichen haben wir also auch.

WE: Herr Wimmer, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

 

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