Stepan Bandera - kein Märtyrer sondern Selbstmörder aus Liebeskummer? Teil I

Sonntag, 16. Oktober 2016

CIA-Archive: Stepan Bandera hat eine Zyankalikapsel - versteckt in einer Zahnlücke - zerbissen

@Ukraina, Bandera...

Viele Nazis, unter anderem Heinrich Himmler, im übertragenen Sinne der Chefideologe der ukrainischen Nationalisten, trugen in ihren Zahnlücken eine Kapsel mit Zyankali. Nichts neues also, dass auch Stepan Bandera, der mit den Nazis auch auf SD-SS-Ebene kollaboriert hatte, eine solche Kapsel für den Fall der Fälle hatte. Selbstmord jedoch, passt kaum in der Rahmen des Volkshelden Bandera, als welcher er heute in der Ukraine gefeiert wird.

Deshalb, trotz der geöffneten und frei zugänglichen Archive der CIA und auch anderer Geheimdienste, werden die Vertreter der Selbstmord-Version sofort zu Feinden der Ukraine, KGB-Agenten und Moskau-Trollen erklärt. 

Die Möglichkeit, dass der Anführer der Organisation Ukrainischer Nationalisten - OUN - Stepan Bandera im Oktober 1959 in München Selbstmord begannen haben könnte, wird seit dem Todestag von einer Großzahl seiner Verbündeten und Kollegen kategorisch abgelehnt.

Prof. Dr. Alexander Sosnowski, Chefredakteur von World Economy

Jan Tscherny, Politologe, Autor bei World Economy

Die Nationalisten wollen ihren Anführer als einen Märtyrer sehen, gefallen im Kampf für die Freiheit der Ukraine. Die Tatsache jedoch, dass Bandera tausende, wenn nich gar hunderttausende zu Tode gequälte Polen, Juden, Russen auf dem Gewissen hat, interessiert die heutigen ukrainischen Historiker nicht ganz so brennend, wenn überhaupt.

Dabei werden mit Leichtigkeit Fakten übergangen. Darüber, dass die Nationalisten bei der Waffen SS anheuerten, über die Pogrome in Polen und Ukraine, über die Beteiligung der Ukrainischen Polizisten aus den Reihen der OUN-UPA an der Tragödie von Babij Jar, die der israelische Präsident Rivlin jüngst den Ausgangspunkt des Holocaust in der Ukraine nannte.

„Etwa 1,5 Millionen Juden wurden auf dem Territorium der heutigen Ukraine in der Zeit des Zweiten Weltkriegs ermordet, in Babij Jar und an vielen anderen Orten… Viele Helfer der Verbrecher waren Ukrainer. Besonders hervorgetan haben sich die Kämpfer der OUN, die Juden gequält und ermordet, oftmals auch an die Deutschen ausgeliefert haben…“ - sagte Rivlin bei der Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag des Massakers. 

All diese Fakten haben den ehemaligen Präsidenten der Ukraine Viktor Juschtschenko nicht daran gehindert Stepan Bandera 2010 den Titel „Held der Ukraine“ zu verleihen. Der heutige Präsident ging sogar noch weiter. Gemäß eines von Petro Poroschenko unterschriebenen Gesetzes wurde „Die Tätigkeit der Organisation Ukrainischer Nationalisten - OUN-UPA als Kampf für die Unabhängigkeit der Ukraine anerkannt“. Daher ist schon klar, dass die Nationalisten - zu denen man leider wohl jetzt auch Präsident Poroschenko zählen muss - mit aller Macht auf dem heldenhaften Tod ihres Anführers bestehen werden. Ein Selbstmord passt so gar nicht in die Annalen über Leben und Tod des größten ukrainischen Nationalisten. 

Versuchen wir das irgendwie zu klären und widmen uns noch mal den Archiv-Dokumenten, die die CIA vor einiger zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. 

EGMA 128250 

Das Leben von Bandera zu beschreiben, ist eine undankbare Aufgabe, die an eine Beweihräucherung seiner „Heldentaten“ grenzt und wir haben sicher nicht vor das zu übernehmen. Vor allem auch, weil so genannte Historiker aus seinem Leben einen Heldenepos zusammen zu basteln versuchen, bei dem Wahrheit und Lüge kaum auseinander zu halten sind. 

Er war der Anführer und Begründer der nationalistischen ukrainischen Bewegung OUN-UPA, bis hin zu seinem Tod im Oktober 1959 in München. Nach der allgemein angenommenen Version - umgebracht von dem KGB-Agenten Bogdan Staschewski, der Bandera mit einer Giftkapsel „angeschossen“ hat. Aber Dank der deutschen Pedanterie und der Informiertheit der amerikanischen Geheimdienste blieb sogar ein von Bandera eigenhändig geschriebenes und unterzeichnetes Dokument erhalten, aus dem gut ersichtlich wird, wer Bandera war und was er in Westdeutschland getrieben hat. 

Nach der Klassifikation der CIA lief das Dokument unter der Nummer EGMA 128250 vom 15. Januar 1955. Es ist eine Meldung/Auskunft eines CIA-Residenten aus München an den Geheimdienstchef. Dabei geht es um ein Visum für die USA, das Bandera beantragt hat. Interessant ist, dass der Visa-Antrag mit dem Vermerk beginnt, es würde sich um die Operationen Redwood und Aerodynamic handeln über die wir in vorhergegangenen Veröffentlichungen bereits geschrieben haben. (Siehe Link: www.world-economy.eu/details/article/cia-operation-aerodynamic-agenten-seriy-ceppelin-redwood-und-andere/)

Bandera füllte den Antrag in deutscher Sprache aus, jeder Buchstabe wurde sorgfältig und kalligraphisch ausgeschrieben. Man sieht, dass er sich große Mühe gegeben hat. Im Weiteren ist alles dem Standard entsprechend: 1909 in Polen geboren, lebt zur Zeit in München. 160 cm groß, 73 Kilo schwer, Hautfarbe - weiß. Es fehlt lediglich der Vermerk über die Zugehörigkeit zur Arischen Rasse, wie in einem berühmten Film aus der UdSSR. 

Bandera gab an, dass er in Deutschland inhaftiert wurde und in einem Lager in Oranienburg eingesessen hat. Auf der nächsten Seite gab er auch über seine Zeit in Polen Auskunft: „Anführer der ukrainischen Befreiungsbewegung OUN, wurde von einem polnischen Gericht verurteilt und saß von 1934 bis 1939 im Gefängnis“. Dass er wegen einer ganzen Serie von Terrorakten auf dem polnischen Territorium einsaß und zum Tod durch Erschießung verurteilt wurde (wurde dann in Lebenslange Haft umgewandelt), wird in dem Antrag freilich verschwiegen. Ebenso, wie die Tatsache, dass er nach dem Angriff der Wehrmacht auf Polen freikam. 

Redakteur 

Und noch einige interessante Details. In der Spalte Beruf gibt er an: Schriftsteller - Redakteur des ukrainischen Verlags „Schljach Peremogi“, ansässig in München. In der Spalte über seine finanzielle Lage führt er ein Gehalt von 450 DM pro Monat auf, einen Wagen und verschiedene Haushaltsgegenstände. Glaubt man der Statistik, betrug das Durchschnittsgehalt eines BRD-Bürgers im Jahr 1955 379 Deutsche Mark. Bandera wurde somit überdurchschnittlich gut bezahlt und es gibt gewichtige Gründe zu glauben, dass das Gehalt nicht vom Verlag kam, der selbst jeden Pfennig zwei mal umdrehen musste, sondern von außerhalb.

Und, schlussendlich, kommen wir zu dem interessantesten Antragspunkt - dem Namen des Antragstellers. Der Name ist sehr deutlich lesbar und da steht nicht „Stepan Bandera“, sondern ein gewisser „Stepan Popel".

Es gibt keinen Zweifel, dass es sich dabei um die selbe Person handelt. Das gleiche Geburtsdatum, die gleichen Angaben zu Eltern, Geschwistern, Ehefrau und Kindern - alles stimmt bis zur letzten Zahl überein. Also stellte Bandera einen Visa-Antrag für die USA unter einem falschen Namen und versuchte es nicht mal vor dem US-Konsulat zu verbergen. Darüber gibt es eine Notiz: „Gesonderte Erklärung an den Herrn Generalkonsul gesendet“. Vielleicht ein Pseudonym? Aber in solchen Fällen wiesen die überkorrekten Deutschen im Fremdenpass - und genau dieser wurde vorgelegt - auch den echten Namen aus. Es geht hier eher um den Versuch die eigenen Ortswechsel vor den Östlichen Geheimdiensten zu verbergen. 

Popel-Bandera benutzte für seine Reisen gerne die Legende von dem „Schriftsteller-Redakteur“ beim Verlag „Schljach Peremogi“. Es heißt, er hätte während verschiedener Perioden seiner Tätigkeiten auch andere Deck- und Spitznamen gehabt, aber Popel war eindeutig sein Liebling. Fügt man noch hinzu, dass Bandera ein offizieller Beteiligter der CIA-Geheimoperation „Aerodynamic“ gewesen ist, dann ergibt das Puzzle plötzlich ein Gesamtbild. Der Anführer der OUN-UPA reiste unter falschen Namen in die USA und bekam dafür ein legales Visum. Übrigens in den CIA-Archiven werden noch andere von ihm benutzte Namen aufgeführt. Ein späteres Dokument der CIA aus dem Jahr 1987 benennt einige andere Falschnamen von Bandera - Michael Kaspar, Stepan Donat, Hubert Bula. „Subject was reported_to be "Hitler's professional spy“ - steht in dem Papier. 

Und es ist auch am Wahrscheinlichsten, dass er seine Reisen unternommen hatte, um sich mit deinen Führungsoffizieren von der CIA zu treffen. 

In einem anderen Dokument wurden skrupulös 13 Treffen protokoliert, die im Laufe von einigen wenigen Jahren zwischen  Bandera und CIA-Offizieren statt gefunden hatten. Zum Beispiel: 17 Mai 1950 - CIA, 22 März 1950 - Hamburg, 07 Mai 1951 - auf dem Luftwaffenstützpunkt der USA in Wiesbaden usw.

Wir nehmen an, dass aber gerade diese o.g. Reise des OUN-Anführers direkt mit den internen Problemen zu tun hatte, die innerhalb der nationalistischen Bewegung entstanden sind. Es gab ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten, trotz der Geldspritzen von der CIA. Es gab auch akute Probleme im Zusammenhang mit der Frage, wer einen wirklichen Anspruch auf den Posten des „Führers“ der nationalistischen Bewegung im Ausland haben könnte. „Herrschen“ wollten viele, aber wir beleuchten nur die drei Figuren, die einen reellen Anspruch auf den Posten angemeldet haben: Stepan Popel-Bandera - Anführer der OUN; Mikola Lebed - zu der Zeit Direktor des Münchener Verlags „Prolog“ und Jaroslaw Stezko - Banderas Erzrivale.  

Fortsetzung folgt:

Quelle: https://www.cia.gov

Bilder: @depositphotos

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