Offener Brief an die Verteidigungsministerin Frau Ursula von der Leyen

Donnerstag, 22. Juni 2017

Am 22.06.1941 überfiel Nazi-Deutschland die Sowjetunion. Bei einer Suchexpedition um die Stadt Juchnow wurden nun 65 sterbliche Überreste von Rotarmisten, sowie 15 Überreste von Wehrmachtssoldaten gefunden

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Es wird oft wiederholt, dass der Krieg nicht beendet ist, solange nicht alle Gefallenen identifiziert und beerdigt worden sind. Vor einigen Tagen wandte sich Alexander Tumanov, Leiter der Suchexpedition in Russland, an World Economy. Bei einer schwierigen und spektakulären Expedition sind viele persönliche Gegenstände von gefallenen Soldaten beider Seiten gefunden worden. Einige davon, wie ein Ehering, können immer noch an die Familien zurück gegeben werden. Wir hoffen, dass dieses Schreiben auf dem Tisch der Bundesverteidigungsministerin landet und auch gelesen wird, damit alle weiteren Schritte unternommen werden können. Alle nötigen Kontaktdaten können von uns umgehend zur Verfügung gestellt werden.

…Vor drei Jahren haben wir die Operationskarte und das Kriegstagebuch der 131. Infanterie Division in die Hände bekommen, in denen die Schlacht vom 20. Januar 1942 beschrieben wird. Damals sind über 100 Wehrmachtsangehörige gefallen oder galten danach als verschollen. Zwei vorherige Expedition in dieser Region fanden Bestätigungen für die dort statt gefundenen harten Kämpfe, es konnten jedoch keine Überreste von Soldaten gefunden werden. Erst der letzte Versuch wurde vom Erfolg gekrönt.

Es fand sich eine Grabstelle mit 15 begrabenen Soldaten. 

Sie wurden in einem Gemeinschaftsgrab gefunden, in ihren Uniformen und ohne Schuhe. Es konnten nur zwei intakte Erkennungsmarken und ein Ehering mit Namen und Hochzeitsdatum geborgen werden.

  1. Marke: Personalnummer 112, 6. Batterie, 66. Artillerie-Regiment 
  2. Marke: Personalnummer 161, 6. Batterie, 66. Artillerie-Regiment 
  3. Ehering: F. Baalik, Datum 20.04.30

Dass keine weiteren Erkennungsmarken gefunden werden konnten, ließe sich dadurch erklären, dass die Soldaten sie, wegen der in der Gegend herrschenden extremen Kälte, abnahmen und in den Taschen oder anderen am Körper getragenen Behältern aufbewahrt hatten.

Die Aufnäher auf den Uniformen deuten auf vier Gefreiter und zwei Obergefreiter hin. Die Schultergurte sind fünfzackig, nach altem Muster (Reichswehr). Dies deutet darauf hin, dass es sich wahrscheinlich um dienstältere Soldaten gehandelt hat.

Auf der Operationskarte ist das Gebiet, auf dem sich das Grab befand, als „Artillerie“ markiert. Das 66. Artillerie-Regiment unterstand damals direkt der 4. Armee-Division. Diese wurde am 12. Oktober 1937 in Neumünster in Schleswig-Holstein gebildet.

Wir wenden uns an Sie mit der Bitte, uns bei der Feststellung der Personalien der gefundenen Soldaten zu unterstützen und uns bei der Suche nach Informationen über das 66. Artillerie-Regiment zu helfen. Wir möchten die Namen der Soldaten feststellen und ihre Angehörigen finden. 

Vermutlich gelten sie als verschollen.

Seit dem Krieg sind viele Jahre vergangen, aber solange sie nicht ordnungsgemäß beigesetzt sind, können die Soldaten keinen Frieden finden. 

Unser Ziel ist es - Soldaten, die auf beiden Seiten in diesem furchtbaren, unmenschlichen Krieg gefallen sind, zu identifizieren und ihnen eine würdige Bestattung zu ermöglichen. Wir möchten diese Informationen den Menschen, den Gesellschaften zugänglich machen, damit eine solche Katastrophe in Zukunft verhindert werden kann, denn die Welt steht wieder am Rande eines globalen Konflikts.

Wir werden unsere Suche in dem Gebiet fortsetzen, allerdings existieren die meisten der auf der Karte verzeichneten Dörfer heute nicht mehr. Sie wurden während des Kriegs zerstört, daher gestaltet sich die Suche heute sehr schwierig. 

Alexander Tumanov, Leiter der Expedition

Eine Kopie des Briefes wird an die Verteidigungsministerin Frau Ursula von der Leyen gesendet.

Quellen, Bilder: Auszug aus dem KTB, Karten, Fotos, Erkennungsmarken und der Ehering.

Bilder: @depositphotos 

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