Gesetzfreie Zone Ukraine: Auftragsmorde und Machtlosigkeit

Donnerstag, 23. März 2017

Abgrund eines Landes - wo keine Gesetze gelten, wird ein Menschenleben wertlos

depositphotos /Odessa 2.05.2014

In den letzten zwei Jahren wird das Land von einer regelrechten Welle von Auftragsmorden erschüttert, die vom kriminellen Milieu allmählich ins politische Leben rüber wandern. Erinnern wir uns nur an die Ermordung des oppositionellen Journalisten Oles Buzyna, an den Tod eines anderen bekannten und kritischen Journalisten Pavel Scheremet, in dessen Wagen eine Bombe gesprengt wurde. Der neue Trend ist wohl: Feldkommandeure zu eliminieren. Und, wie auf Bestellung, flammen die Spannungen im Osten der Ukraine wieder auf.

Jan Tscherny, Osteuropaexperte, Autor, Politologe

Kurz darauf kam es zu einem Verbrechen, das in vielen Medien als „Mord auf Bestellung“ bezeichnet wurde. Der in der Ostukraine bekannte Kommandeur des Bataillons „Somali“, einer Kampfeinheit der Aufständischen, wurde Opfer eines Anschlags mittels eines Granatwerfers. Der unter seinem Kampfnamen „Giwi“ bekannt gewordene Kommandeur, war eine zwar widersprüchliche, aber populäre Symbolfigur des Widerstands in der Ost-Ukraine. Letztes Jahr war ein anderer, ebenfalls bekannter Bataillonskommandeur Arzen Pavlov, genannt „Motorola“, Opfer eines Anschlags geworden. Überdies hat es im Donbas auch bereits mehrere Anschläge auf den Leiter der DNR (Donezker Volksrepublik), Alexander Sachartschenko, gegeben. 

Während sich die ukrainische Regierung im Abwiegeln übt und die Verantwortung für diese Anschläge internen Streitigkeiten im Donbas zuweist, gehen internationale, aber auch ukrainische Medien davon aus, dass die Auftraggeber dieser Aktionen möglicherweise in Kiew gesucht werden müssen. Die Lage in der Ukraine stellt sich daher als verfahren dar: Kiew zeigt sich machtlos, sowohl gegen die Verbrecher als auch gegen die eigenen Machtstrukturen, wie Armee oder Freiwillige Korps. Radikale Kräfte in der Ukraine, solche wie die Freiwilligen-Bataillone Azov, Donbas etc., streben ohne Rücksicht auf den eigenen Präsidenten einen Bürgerkrieg an, der nur zum Schein gegen Verbrecher gerichtet sein soll. 

In Kiew hat wohl niemand vor die Morde ernsthaft zu untersuchen. „In dem halben Jahr, das nach dem Tod von Pawel Scheremet vergangen ist, hat man weder die Mörder, noch die Auftraggeber finden können“ - schreibt das bekannte ukrainische Portal politica.ua. Petro Poroschenko wird dringend empfohlen, die Feinde und Saboteure in den eigenen Reihen zu suchen.politica.ua schreibt weiter, dass die Verbrecher von dem Innenministerium und dem Innenminister Arsen Awakow persönlich gedeckt werden und, dass der mächtige Minister  sogar aktive Verbindungen zu mehreren in Kiew tätigen kriminellen Organisationen unterhält.

Quellen: politica-ua.com, haqqin.az/news/92976, http://argumentua.com

Bilder: @Depositphotos / „Giwi“ - Von Mstyslav Chernov - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41733034

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