Die Geschichte der Sieger. Zweiter Teil

Freitag, 29. September 2017

Nach den Münchner Vereinbarungen sollte Deutschland lediglich das Sudetenland bekommen

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Hitler selbst soll in einem der notierten Gespräche mal gesagt haben, dass er sich sehr gewundert hat, als ihm klar wurde, dass Großbritannien und Frankreich keine Einwände gegen eine großzügigere „Auslegung“ erheben würden. Seine Verwunderung ist indes klar, er konnte ja nichts von deren weitreichenden Plänen wissen. Übrigens, bis etwa 1940 verzeichnete Hitler nur bei Vorhaben Erfolge, die den USA, Großbritannien und Frankreich zupass kamen.

Jan Tscherny, Osteuropaexperte

Diese „Großzügigkeit“ seitens Frankreichs und Großbritanniens hatte zwei Gründe. Zum einen besaß die Tschechoslowakei die zu dem Zeitpunkt stärkste und fortschrittlichste Industrie. Und zum anderen war sie ein vollwertiger, demokratischer Staat.

Daher würde sie kein Alliierter der Deutschen im Kampf gegen die UDSSR werden können. Entsprechend könnte Deutschland nicht dessen industrielles Potential nutzen, dabei machte die Militärindustrie einen großen Teil davon aus. Dazu kam noch, dass es in dem Land keine extremistischen Kräfte gab, die man an die Macht hätte bringen können, um die demokratische Führung gegen eine autoritäre auszutauschen. In Ungarn und Rumänien allerdings schon - deren autoritäre Regierungen traten mit Freude dem militärisch-politischen Verbund mit Deutschland und Italien bei. Also überließen Frankreich und Großbritannien Hitler die Tschechoslowakei. Im Ergebnis konnte das Ressourcen-Potential Deutschlands und Österreich-Ungarns wieder auf den Stand von 1914 gebracht werden.

Und last but not least - „Seltsamer Krieg“. 

Zwar erklärten Frankreich und Großbritannien 1939 Deutschland den Krieg, rührten aber nicht einen Finger, um ihre Verpflichtungen gegenüber Polen zu erfüllen. Bis zum Sommer 1940 haben sie rein gar nichts unternommen. Sie hatten nichtmal Pläne für irgendwelche Unternehmungen. Es ist auch klar warum - sie haben beschlossen Polen zu opfern, damit die Wehrmacht einen direkten Zugang zur Grenze mit der UDSSR erhält. Allerdings wusste Hitler nichts von seiner „tatsächlichen“ Bestimmung und beschloss etwas zu erreichen, was allen Deutschen verständlich erschien - er wollte Wiedergutmachung für die Niederlage im Ersten Weltkrieg. Das war auch logisch - immerhin befand sich Deutschland im Krieg mit Frankreich und Großbritannien. Selbst wenn er Pläne für einen Angriff auf die Sowjetunion im Hinterkopf gehabt hat, wäre er nie auf die Idee gekommen sie zu realisieren, während er eine zweite Front mit französischen und britischen Streitkräften im Rücken hatte. Und weil die Wehmacht sie komplett überrascht hat, konnte er sie schnell und mit einem Minimum an Verlusten besiegen. 

Nach der Zerschlagung der alliierten Streitkräfte verlor das Ziel die UDSSR zu vernichten für Großbritannien an Aktualität. Mehr noch, es bestand die Gefahr, dass es das Schicksal von Frankreich teilen könnte. Das und nur das führte zur Entstehung der Anti-Hitler-Koalition. Aber bis zum Sommer 1940 agierte Deutschland im Interesse der USA und Großbritanniens. Praktisch gesehen, waren sie im ersten Kriegsjahr eine Art Verbündete. Bei einer solchen Gemengelage ist es eher schwach Deutschland an der Entfesselung des Weltkriegs die Alleinschuld zuzuschreiben. 

Was die Kriegsverbrechen angeht, so ist deren Bild ebenfalls weit davon entfernt objektiv zu sein. 

So steht in der Geschichte nichts über die Verbrechen der USA und Großbritanniens. Als hätten sie keine begangen. Allerdings, auch wenn die Anzahl ziviler Opfer durch die Bombardierungen Dresdens oder von Hiroschima und Nagasaki in ihrer Quantität bei weitem nicht an die Opferzahlen in den Todeslagern der Nazis heran reicht, fällt die Bewertung ihrer Verbrechen im moralischen Sinn doch etwa gleich aus. Eben weil diese Bombardierungen keine militärischen Ziele verfolgt haben.

Das mussten die Sieger dringend unter den Tisch kehren. Dafür musste Deutschland zunächst als Alleinschuldiger an dem europäischen Kriegstheater an den Pranger gestellt werden. 

Entsprechend musste die deutsche Gesellschaft einen schweren Komplex der Kollektivschuld entwickeln, damit die Deutschen gar nicht erst auf die Idee kommen ihre Geschichte zu hinterfragen und nach den wahren Hintergründen zu wühlen. Die Sieger konnten das erfolgreich durchsetzen. Dieser fehlerhafte Komplex raubte der deutschen Gesellschaft ihr politisches Selbstbewusstsein und verwandelte sie in einen politischen Waffenträger der USA.

Eigentlich ist diese beabsichtigt verordnete Kollektivschuld an einem Verbrechen, das vom Volk nicht begangen wurde, ein besonders schweres Verbrechen - ein bewusstes Verurteilen eines Unschuldigen. Dieser Komplex erlaubt es, die öffentliche Meinung für die Verfolgung eigener politischer Ziele zu manipulieren. Was die USA im Laufe der letzten 70 Jahre erfolgreich gemacht haben. Damit war Deutschland all diese Zeit gleich in zweifacher Hinsicht ein besetztes Land - sowohl politisch als auch psychologisch. 

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Quelle: https://www.facebook.com/businessomega

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