Die Arktis: ein Aufmarschgebiet für territoriale Interessen?

Dienstag, 17. Oktober 2017

Die Nato hat bereits vor zwei Jahren mit ersten militärischen Übungen jenseits des Polarkreises zu zeigen begonnen, dass sie sich der Gefahr territorialer Konflikte bewusst ist

In den arktischen Gewässern liegen etwa ein Drittel der weltweiten Öl- und Gasreserven verborgen sowie Vorkommen seltener Metalle. Die Klimaerwärmung trägt nun ihren Teil zum internationalen Run auf die Arktis bei. Zu Befürchten steht eine zunehmende Militarisierung und Territorialkonflikte. 

 

Dr.Alexander Sosnowski, World Economy

 

Zwar haben die Anrainersaaten der Arktis bereits vor Jahrzehnten mit dem Arktischen Rat ein Forum sowie ein Kooperationsorgan geschaffen, dessen Aufgabe es hätte sein sollen, die Territorialkonflikte in Grenzen zu halten und die Militarisierung abzuwenden. In Folge der Klimaerwärmung jedoch, die unter anderem dafür sorgt, dass die einst dauerhaft zu Packeis gefrorene nordische Welt für lukrativen Schiffsverkehr während des arktischen Sommers zugänglich wird, kommt es jüngst vermehrt zu Spannungen zwischen den Anrainerstaaten.

Die Nato führt unter dem Motto "Arctic Challenge" wiederholt militärische Übungen in der Region durch, denen regelmäßig seitens Russlands mit sogenannten Inspektionen bzw. Mobilmachungen seiner Arktischen Brigaden begegnet wird. 

Dies führt zu erhöhten Spannungen in der gesamten Region und zu einem Anheizen der Konflikte um Einflusssphären insgesamt. 2015 führte Moskau Manöver in der Arktis durch. Daran teil nahmen etwa 40 Tausend Soldaten, 15 U-Boote, 41 Kriegsschiffe und eine ganze Menge Flugzeuge schrieb Baltnews.lv: http://baltnews.lv/news/20170913/1020865217.html

Das hat die NATO angeblich überrascht, obwohl die Allianz gerade selbst aktiv die Militarisierung der Arktis forciert, wenn man sich an die Aktivitäten von Norwegen um Spitzbergen erinnert. 

„Wir informieren schon im Vorfeld über unsere stattfindenden Manöver, daher sind sind sie für niemanden eine Überraschung. Aber das von Russland durchgeführte Manöver kam ohne Ankündigung - das ist ein etwas destabilisierender Faktor“, zitiert die Agentur die Worte des Generals a.D. Philip M. Breedlove.

Bereits im Jahr 2007 machte Russland seine Ansprüche auf die arktischen Gewässer klar, indem das Land unterhalb des Nordpols eine Flagge hisste - in 4261 Meter Tiefe. Das Wettrennen zum Nordpol wurde jedoch bereits 1996 von Norwegen eingeläutet. Damals bemühte sich Norwegen mit einer Eingabe bei der UNO um eine Ausweitung seiner Kontrollzone über die 200-Seemeilen-Grenze hinaus. 

Schon im Jahr 2013 hat Russland dem Greenpeace-Schiff "Arctic Sunrise" die Weiterfahrt durch die Kara-See untersagt und dergestalt klar gemacht, wer der Herr im Hause ist. Das Schiff hatte sich aufgemacht Umweltschäden durch Ölbohrungen zu dokumentieren. Die Ölförderung im hohen Norden gilt alles andere als ungefährlich und wird von Experten als unkalkulierbares Risiko für das dortige hochsensible Ökosystem bezeichnet.

Die Nato wiederum hat bereits vor zwei Jahren mit ersten militärischen Übungen jenseits des Polarkreises zu zeigen begonnen, dass sie sich der Gefahr territorialer Konflikte bewusst ist

Immerhin zählen mit Kanada und Norwegen zwei wichtige NATO-Mitglieder zu Anrainerstaaten der arktischen See. Finnland ist dem Militärbündnis bisher nicht beigetreten, war jedoch neben Schweden und der Schweiz auch Teil der groß-angelegten Militärübung "Arctic Challenge" (2015).Explizites Ziel dieser Übung, die von Russland zeitgleich durch eigene Militärübungen begleitet wurde, war die militärische Verteidigung gegenüber dem Nachfolgestaat der Sowjetunion innerhalb des arktischen Gebiets. 

Die Einflusszonen der einzelnen Anrainerstaaten wurden in der Vergangenheit meist einseitig deklamiert und die jeweiligen Staaten bzw. deren Organe zeigen sich diesbezüglich wenig kompromissbereit - geht es doch neben viel Geld auch um wirtschaftlichen und geostrategischen Einfluss. Es droht eine Militarisierung des gesamten Gebietes und ein bewaffneter Konflikt um Handelspassagen, Ressourcen und Einflusszonen. Dabei wird nicht zuletzt auch über die eigentlichen Bewohner der arktischen Sphäre hinweggegangen. Die über eine Million Einwohner indigener Volksgruppen, die in der Arktis ansässig ist, haben am wenigsten Einfluss auf die gegenwärtige Entwicklung.

 

Bilder: @depositphotos 

 

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