Bundestagswahl: Ein Blick aus Moskau

Mittwoch, 20. September 2017

World Economy führte in Russland eine Umfrage durch, um herauszufinden, ob russische Otto-Normalverbraucher über die bevorstehende Bundestagswahl Bescheid wissen, was sie darüber denken und was sie davon erwarten

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Die Umfrage wurde vom 14. bis zum 19. September durch Direkt- und Telefoninterviews unter Einwohnern und Besuchern der russischen Hauptstadt Moskau durchgeführt. 

Von Femida Selimova

Mehr als die Hälfte (53%) haben angegeben, dass sie Weltnachrichten verfolgen würden und über bevorstehende Wahlen in Deutschland informiert sind. Weniger als 10% gaben an, dass sie nur an dem Geschehen in Russland interessiert sind. Die Hälfte von denen, die über die bevorstehenden Bundestagswahlen Bescheid wussten, merkten an, dass sie in den kommenden Jahren keine großen Veränderungen in den deutsch-russischen Beziehungen erwarten, weder in eine gute noch in eine schlechte Richtung. 

Während in Deutschland die Frage, ob Angela Merkel im Amt bleibt, aktuell ist, sind die meisten Menschen in Russland praktisch überzeugt, dass sie wieder gewählte wird. 

Allerdings denken einige, dass dieses mal der Kampf um den Posten des Regierungschefs für sie nicht so leicht werden wird. Einige Befragte (23%) gaben an, dass sie Angela Merkel wieder gerne als Oberhaupt der deutschen Regierung sehen würden. Manche von ihnen empfinden die gegenwärtige Kanzlerin als eine starke Politikerin, die mehrjährige politische Erfahrungen und großes persönlichen Ansehen in Europa und der Welt besitzt. Am meisten sympathisieren Frauen mit ihr, während ein bedeutender Teil der Männer der Meinung ist, dass Politik nichts für Frauen sei. Über 30% der Teilnehmer würden die Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidatin der Linken, Sara Wagenknecht, gerne als Chefin der deutschen Regierung sehen. Ihrer Meinung nach, würde sie eine gute, russlandfreundliche Politik führen. 

Auf die Frage nach Aufhebung der Sanktionen, antworteten mehr als 40% der Befragten, dass sie sich sicher seien die Sanktionen gegen Russland würden nicht aufgehoben. 

20% der Teilnehmer sind optimistischer und erwarten positive Veränderungen in dieser Hinsicht. 10% waren unentschlossen. 30% der Russen möchten, dass die Sanktionen nicht aufgehoben werden. Ihrer Meinung nach, beeinflussen die Strafbeschränkungen gegen Russland auf keine Weise ihre Lebensqualität. Außerdem sind sie überzeugt, dass die Sanktionen eine Chance für Russland darstellen ihre Wirtschaft unabhängiger zu gestalten. Die Teilnehmer wurden auch gefragt, wie sie die bestehenden Beziehungen zwischen Russland und Deutschland einschätzen. 39% gaben an, dass sie „angespannt“ sind. 23% haben sie als „kühl“ charakterisiert. 45% als „normal“ oder sogar freundlich. Weniger als 10% betrachten sie als „feindlich“. Viele der Befragten bedauerten, dass die Medien in ihren Berichten oft negative Töne anschlagen würden. 

Im Hinblick auf ihr persönliches Verhältnis zu Angela Merkel sagten 10% der Teilnehmer es sei „negativ“, 60% - neutral und 30% - positiv. 

Auf die Frage, ob Berlin eine von Washington unabhängigere Außenpolitik verfolgen wird, äußerte mehr als die Hälfte der Befragten (53%) Zweifel.  

Ihrer Meinung nach, ist Berlin in seiner Außenpolitik nicht unabhängig genug und muss sich nach der Position Washingtons richten. Oft auch entgegen den eigenen politischen und wirtschaftlichen Interessen. 23% äußerten die Hoffnung, dass Frau Merkel im Falle ihrer Wiederwahl wieder eine russlandfreundliche Politik aufnehmen, eine eigenständige Außenpolitik führen und Partnerschaftsbeziehungen zu den Ländern aufbauen wird, von denen sie profitieren kann. Die restlichen 10% waren unentschlossen. 

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